Peter Sutherland - Starter

Zauber des Beiläufigen

Die Fotos und Filme des jungen US-Amerikaners sind so rau wie gefühlvoll. Seine Motive entnimmt der ehemalige Skateboarder dem Alltag.
Mit Auftrieb:art stellt junge Künstler vor

Peter Sutherland, aus der Serie "Dusty Trail"

Peter Sutherland findet Schönheit, Tragik und Komik im Alltäglichen. Seine Bilder sind so weit wie nur möglich von technischer Präzision entfernt.

Es handelt sich um Schnappschüsse, flüchtige Momente und gefühlvolle Beobachtungen. Ein Reh, das aus einer Straßenpfütze trinkt. Eine Scheune irgendwo auf dem Land, die mit einem roten Warnschild als Labor für die gefährliche Droge Crystal Meth markiert wurde. Die Baumgipfel, die sich zum Kreis formieren, um ein Stück Himmel zu umrahmen. Ein Fahrrad, das in einem zugefrorenen See zum Stillstand gezwungen wurde. Oder der Junge, der durch eine Schneelandschaft läuft, in der eine Schar Wildgänse zum Flug abhebt.

Der 1976 geborene Künstler wuchs in einem Vorort von Colorado auf. Er fuhr Skateboard und BMX-Rad, zog 1998 nach New York. Trieb sich in der Skater-Szene im East Village herum und fing an, Fotos und Filme vom rauen New Yorker Alltag zu machen. Sein Bruder hatte ihm seine erste Kamera geschenkt, als er 23 Jahre alt war. Eine Kunstschule besuchte Sutherland nicht. Die hautnahe Dokumentation "Gimme Shelter" der Filmemacher David und Albert Maysles, die Ende der sechziger Jahre die Rolling Stones auf ihrer US-Tournee begleiteten, beeinflusste ihn ebenso wie die Arbeit von William Eggleston, dem Altmeister der Schnappschuss-Fotografie. "Als ich anfing zu fotografieren, wollte jeder alles so glatt aussehen lassen", meint Sutherland. "Und ich fragte mich, warum alles wie Werbung wirken sollte."

Also arbeitete er mit natürlichem Licht und kleinen Handkameras. Seine Bilder und Filme, die er gern gemeinsam mit seinem Bruder dreht, entstehen mittlerweile auf Reisen durch die ganze Welt. Auf den Flügen arbeitet er an Collagen, die er aus Zeitungsbildern oder Fotomaterial aus dem Internet zusammenbaut oder schreibt Kurzgeschichten. Über zwei Jahre filmte er den Künstler Richard Prince für eine Dokumentation. "Manchmal sehe ich die Welt in Bewegung und manchmal gefällt es mir, sie in Standbilder zu zerlegen", so Sutherland. Einige der schönsten poetischen Momente im Leben würden sich von ganz allein ereignen.

Steckbrief

Geboren: Ann Arbor, Michigan, USA, 1976


Wohnort: Chinatown, New York City


Ausbildung: Ich bin vier Jahre lang aufs College gegangen und habe einen Abschluss in Medienwissenschaft gemacht (ich habe keine Kunstschule besucht).


Galerie: Giant Artists, Los Angeles


Initialzündung: Als ganz kleines Kind Logos auf BMX-Fahrrädern zu sehen


Höhepunkt: Öfter mal vom Computer Abstand zu nehmen; eine Fotografie an einen der Beastie Boys zu verkaufen; nach Afrika zu fahren


Tiefpunkt: Zwischen den Sofakissen nach Kleingeld zu graben, um einen Drei-Dollar-Burrito zu kaufen


Helden: Werner Herzog


Credo: Ich bin mir nicht sicher, was das bedeutet.


Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: Wichtiger ist, wen man kennt, als was man macht.


Warum Künstler, nicht Banker?: Darüber habe ich kürzlich nachgedacht. Mein Vater war Tischler, er verbrachte viel Zeit in der Garage, wo er an verschiedenen Projekten arbeitete. Ich mache jetzt im Grunde dasselbe. Ich fühle eine Verbindung zu meinem Vater, und das ist das Rückgrat meiner Arbeit.
http://petersutherland.net/

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