Katja Mater - Starter

Geschichtete Zeit

Die niederländische Künstlerin hält in einem einzelnen Foto mehrere Entstehungsphasen von Zeichnungen und räumliche Perspektiven fest.
Junge Kunst mit Auftrieb:art stellt junge Künstler vor

Katja Mater: "Density Drawing 18", 2010, aus der Serie: "The Marker Drawing. Multiple Moments During The Making Of A Marker Drawing.", blauer Stift auf Papier, 70 x 50 cm und C-Print, 70 x 50 cm

Katja Mater arbeitet gegen die Kamera. Nichts läge ihr ferner, als mit ihrer Hilfe die Welt zu dokumentieren.

Stattdessen lenkt sie den Blick in ihren Bildexperimenten auf das Medium und die Grenzbereiche der Darstellbarkeit. Für ihre Arbeit "Density Drawings" fotografiert die niederländische Künstlerin verschiedene Phasen der Entstehung einer Zeichnung, die am Ende meist nur noch eine monochrome Farbfläche bildet. Sie hält den Prozess allerdings auf einem einzigen Negativ fest, mit dem Effekt, dass ältere Partien des Bildes dunkler erscheinen als jüngere. So schichtet sie in ihren Fotografien die Zeit. Es ist, als könne man durch die verschiedenen Zeitebenen hindurchschauen. Das klassische Verhältnis von Fotografie und Malerei wird hier ins Gegenteil verkehrt: Maters Zeichnungen und Gemälde sind die Vorlagen für ihre Fotoarbeiten, nicht umgekehrt. Trotzdem bleiben sie ein integraler Bestandteil des Werks, sein Kontrapunkt. Malerei und Fotografie fungieren hier als gegenseitige Beglaubigungen.

Früh schon experimentierte Mater in ihren Arbeiten mit dem Faktor Zeit. So belichtete die Absolventin der Gerrit Rietveld Akademie für ihre Arbeit "The Human Colour Wheel" einen sich drehenden Farbkreis unterschiedlich lang und erzeugte so verschiedene Farbtöne. Für ihre neuesten Arbeiten "Parallel Plains" erweitert sie ihr Konzept um eine räumliche Komponente. Die Künstlerin fotografiert Zeichnungen und Gemälde nun von verschiedenen Standpunkten aus und seziert neben der Zeit auch den Raum, zerlegt in seine einzelnen Bestandteile. Maters Versuchsanordnungen mögen auf den ersten Blick nicht spektakulär wirken, doch ziehen sie den Betrachter in ihren Bann, sobald er vor ihnen steht. Ungläubig betrachtet man die unscheinbare, flache schwarze Malfläche und daneben die sich auffächernde Fotografie. Das ist kein Abbild der Wirklichkeit. Die Fotografien erschaffen einen Bildraum, den es nie gegeben hat, und sie legen die konstruierende Komponente der Kamera offen. Man begreift den Gedanken des tschechoslowakischen Philosophen Vilém Flusser, der sagt, dass sich im Akt des Fotografierens sowohl die Welt als auch der Fotograf konstituiert. Frank Dietz

Steckbrief<br><br>

Geboren: Hoorn, Niederlande, 1979.


Wohnort: Amsterdam.


Ausbildung: Gerrit Rietveld Academie und De Ateliers, Amsterdam.


Galerie: Martin van Zomeren, Amsterdam.


Höhepunkt: Auszeichnung mit dem Dutch Royal Award für Malerei.


Tiefpunkt: Jedes Mal, wenn ich von der Einstellung einer Filmsorte oder eines Fotopapiers erfahre.


Helden: Alle, die im späten 18. Jahrhundert an der Erfindung der Fotografie beteiligt waren, David Hildebrand Wilson und Diana Drake Wilson (Gründer des Museums of Jurassic Technology in L.A.) und Künstler wie David Claerbout und Hans-Peter Feldmann.


Warum KünstlerIn, nicht Banker?: Das war nie eine Option.
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