Monika Grzymala - Starter

Absolut untransportierbar

Die von der Wand in den Raum wuchernden Klebeband-Skulpturen von Monika Grzymala existieren oft nicht länger als für eine Schau
Fesselnd:art stellt junge Künstler vor

Monika Grzymala zeichnete für "Ein Grad über Null", 2000, aus zehn Farbschichten ein Bild. So entstand die ephemere, auf Schlittschuhen befahrbare Zeichnung im Eis der Kunsteisbahn Hamburg Stellingen

Dass die Zeichnungen von Monika Grzymala den üblichen Rahmen sprengen, ist eine maßlose Untertreibung.

Die Künstlerin macht aus Strichen Skulpturen, die Wände überwuchern und Räume vereinnahmen. Striche und Streifen scheinen durch die Luft zu schießen, formieren sich zu konzentrischen Kreisen, bilden dichtes Gestrüpp oder schlängeln sich zu organischen Gebilden. Monika Grzymala benutzt keine Stifte. Sie verwendet Klebebänder, Bleibänder, Papierbänder, mit denen sie kilometerlange Spuren in den Raum hineinwebt, so dass sie sich zu komplexen Strukturen verdichten.

Zeichnen ist für die Wahlberlinerin, die als Zehnjährige aus Polen nach Deutschland kam und zunächst zur Steinbildhauerin ausgebildet wurde, "von der Hand geführtes Denken". Jedes Werk erarbeitet sie vor Ort speziell für den konkreten Raum. Was so dynamisch und energetisch aussieht, entsteht in einem äußerst langwierigen Arbeitsprozess: Die Künstlerin zeichnet, indem sie ihren Körper von A nach B bewegt. Die Befreiung der Zeichnung von konventionellen Bildträgern begann für Grzymala 2000 mit einer Kunsteisbahn in Hamburg. Für die Arbeit "Ein Grad über Null" hat sie zehn verschiedene Farb­schichten auf das Eis aufgetragen, nacheinander einfrieren lassen und schließlich als begehbares Bild zur Benutzung freigegeben.

Seit 2008 arbeitet Grzymala häufig mit selbstgeschöpftem Papier, einer Masse, die sie zu verschlungenen Hochreliefs verarbeitet, die den traditionellen Bildträger selbst zur Zeichnung transfor­mieren. Bewusst verzichtet Grzymala auf die Hilfe von Assistenten und nimmt an ihren Arbeiten auch keinerlei Korrekturen vor. "Manche Raumzeichnungen", so die Künstlerin, "sind als ephemere Gebilde angelegt. Nach meinem letzten Handgriff übernehmen dann Zeit und Schwerkraft die Choreografie." Vergänglichkeit ist auch in ihren anderen – durchweg untransportierbaren – Arbeiten ein wesentlicher Bestandteil: Ihre Interventionen existieren nur für einen begrenzten Zeitraum. Ist eine Ausstellung beendet, baut Grzymala ihre Installationen meist eigenhändig wieder ab. Manchmal bewahrt sie die Überreste – ein Klebebandknäuel oder einen Materialhaufen – noch eine Weile im Atelier auf, sieht dabei zu, wie sie weiter zerfallen. "So erlebt jede Raumzeichnung ihre ganz individuelle Inkarnation und Reinkarnation."

Einzelausstellung: "Mono Meros" im Saal der Meisterzeichnung der Hamburger Kunsthalle, bis 25. August. Dazu erscheint in der Reihe "Portfolio" der Griffelkunst-Vereinigung ein gleichnamiger Katalog für 12 Euro

Steckbrief

Geboren: 1970.


Wohnort: Berlin.


Ausbildung: Steinbildhauerin, Studium der Freien Kunst an Hochschulen in Karlsruhe, Kassel und Hamburg.


Galerie: Galerie Crone, Berlin.


Initialzündung: Als Bildhauerin zu zeichnen.


Höhepunkt: Meine Körpergröße von 173 cm.


Tiefpunkt: Meine Körpergröße von 173 cm.


Helden: Unmöglich, sich auf nur wenige Namen zu beschränken.


Credo: Jeden Tag ein neues Credo zu haben.


Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: Keinem Rat zu folgen.


Warum Künstler, nicht Banker?: Weil kein Geld der Welt den Erkenntnisgewinn des Künstlers kaufen kann.
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