Jens Schubert - Starter

Ausgebuffter Spieler

art stellt junge Künstler vor: Jens Schubert interessiert sich nicht für Inhalte. Um die Bildlogik auszuhebeln, nutzt er eine fast vergessene Technik: den Linolschnitt.
Inhalt? Fehlanzeige!:Die Arbeiten des Leipziger Künstlers Jens Schubert

Jens Schubert: "SUPREME", 160 x 120 cm, Linolschnitt, 2013

Linolschnitt erinnert an Klassenzimmer und Kinderkunst. Jens Schubert schert sich nicht um solche Vorurteile. Es ist seine Technik, ideal für die eigenwilligen Verwirrspiele dieses Vertreters der Neuen Leipziger Schule.

Dabei stößt man auf den Drucken zunächst auf vertraute Motive: Krone, Kreuz und Kapitell, Sterne oder der Strahlenkranz der Freiheitsstatue. Florale Ornamente und Tierhaftes wecken Erinnerungen an Volkskunst und fremde Kulturen. Die gegenständlichen Motive werden verbunden mit Mustern, Schraffuren und Rastern, mit geome­trischen Formen und Hard-Edge-Farbflächen. Nichts scheint zusammenzupassen. Die Flamme auf der Säule verpufft im weißen Nirgendwo, die Vogelfedern ersaufen im wirren Liniengeflecht. Und die Freiheitsstatue ist bestenfalls ein müdes Zitat.

Jens Schubert verpasst seinen Drucken anspielungsreiche Titel wie "Held" oder "Königin", "Avalon" oder "Atlantis" – dabei gibt es keinen Inhalt, keine Erzählung. Die Motive sind vom Ballast der Bedeutung befreit, leichtfertige Interpretationen führen doch nur ins Nichts. Diese Drucke mit den klaren, schönen Farben sind radikal gegenwärtig, existieren allein im Hier und Jetzt – und wollen nicht über sich hinausweisen. Zahnräder, Vierecke und Sprechblasen sind nicht mehr als nackte Formen in einem schwer fassbaren Arrangement aus übereinander geschichteten Bildern und Formen.

Dieses ausgebuffte Spiel mit Dimensionen und Proportionen, mit komplex ineinander verzahnten Bildebenen treibt den Betrachter an seine Grenzen. Er scheitert kolossal beim Versuch, die Komposition zu erfassen, die Schichten eindeutig zuzuweisen. Der Blick findet immer wieder Halt – und kann die unterschiedlichen Elemente doch nicht in Zusammenhang bringen. Das ist spannend und eine Herausforderung, die sich nicht so bald erschöpft. Am stärksten ist Jens Schubert, wenn er sich ganz von Symmetrien und der Zentralkomposition verabschiedet und stattdessen Fläche und Raum aushebelt, jede Bildlogik überlistet – und den genialen Wahnsinn des simplen Linolschnitts ausreizt.

Steckbrief

Geboren: 1983 im Erzgebirge.

Wohnort: Leipzig.

Ausbildung: Hochschule für Grafik und Buchkunst ­Leipzig und noch
einiges vorher ...

Galerie: www.galerie-m2a.de, www.
galerie-pfab.com, www.galeriekleindienst.de

Initialzündung: Als Hale-Bopp 1997
an der Erde vorbeizog, brachte er etwas für mich mit.

Höhepunkt: Ab und zu im Bett.

Tiefpunkt: Grundstudium Kunst.

Helden: Link, Zelda, Sailor Moon, Frodo, Dana Scully und Fox Mulder, Gustav Klimt, Henry Darger, Winsor McCay, Tomma Abts, Hieronymus Bosch, Diane Arbus, Patrick Wolf, Woodkid, Ladytron, Stereo Total, Kate Bush, Muse, Mozart, Tilda Swinton, Cate Blanchett, Alexander McQueen, Guillermo del Toro, George Lucas, Margaret Atwood, Terry Pratchett ...

Credo: Jeder bekommt, was er verdient.

Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: „Also ich würd’s machen!“

Warum Kunst?: Kunst?