Axel Loytved - Starter

Tanzende Verhältnisse

art stellt in der Serie "Starter" junge Künstler vor. Diesmal: Axel Loytved. Der Hamburger erkundet die Welt in spielerisch-ernsten Skulpturen: poetisch, hintersinnig, kritisch, lustig – und herrlich verrückt
Junge Kunst:art stellt junge Künstler vor

Vier Meter langer Ego-Tunnel: Axel Loytveds "ups and downs of everyday", 2013, Spanplatte, lackiert, Maße variabel

Axel Loytved ist ein Wirbelwind. Er bewegt, auf was er trifft, und das ist eine Menge. So bleibt nichts, was es war. Er kauft unsortierte, zu Ballen gepresste Altkleider, zieht an, was passt, und macht daraus eine "B-fashion-show", bei der sich seine soziale Identität andauernd ändert.

Er formt Nadelfilz zu einem "Teppichwirbel" oder lässt Einzelsocken aus der Wohngemeinschaft auf der Reeperbahn 83 als "WG-Socken" an verspannter Maurerschnur im Raum schweben, als sei die Waschmaschine explodiert. Um den sozialen Alltag nicht nur allein beobachten zu müssen, hat er 2006 mit Freunden den Kunstverein St. Pauli gegründet.

Loytved spielt mit den Verhältnissen, und beißt sich dabei mit Freude die Zähne an existenziellen Fragen aus. Da wäre zum Beispiel die Sache mit dem Körper und seiner Größe. Ausgangspunkt ist die medizinisch erwiesene Tatsache, dass der Mensch jeden Tag schrumpft; des Nachts streckt er sich dann wieder auf "Normalgröße". Also hat sich Loytved morgens und abends gemessen und auf der Basis dieser Daten Spanplatten in Streifen geschnitten, einen für das morgendliche und einen für das abendliche Maß. Diese hat er dann zu "Türrahmen" zusammengebaut. Hintereinandergestellt bilden sie nun eine Art Ego-Tunnel, der schief gerät und Sprünge macht. Wodurch körperliches Sein und aufrechter Gang als ziemlich schwankende Angelegenheit erscheinen. Heute 178,8, gestern 180,2 Zentimeter – so ist das Leben.

Loytveds Arbeiten haben etwas Spielerisch-Ernstes. Wie ein Archäologe beäugt er soziale Verhältnisse und Recyclingkreisläufe und staunt, wenn sie plötzlich kopfstehen, etwa wenn marshmellow-weiches Verpackungsmaterial in Bronze erstarrt. Selbst das "Billy"-Regal kommt in den Schredder und muss eine Metamorphose erdulden. Schließlich haben wir noch vieles zu verdauen, was unsere Konsumgesellschaft umwälzt. Immerhin, morgen früh sind wir wieder etwas größer geworden.

Steckbrief Axel Loytved<br><br>

Geboren: Bad Mergentheim, 1982.


Wohnort: Hamburg.


Ausbildung: Hochschule für Bildende Künste Braunschweig; Jan van Eyck Academie, Maastricht.


Galerie: Dorothea Schlueter, Hamburg.


Initialzündung: Gab es in dem Sinne nicht, stattdessen würde ich es als eine Entwicklung bezeichnen, die über einen längeren Zeitraum stattgefunden hat.


Höhepunkt: Gestern Vormittag bei 179,8 cm.


Tiefpunkt: Gestern Abend bei 177,5 cm.


Helden: Franziska, Malte, Irmgard, Nicola, Marion, Hans, Christian, Annette, Stefan, Sebastian, Oliver, Tobias, Gilta, Gunther, Britta, Daniel, Michael, Nico, Larry, Franz, Rahel, Daniel, Raimund, Christoph, Mirko, Johannes, Nora, Reingard, Mareike, Julius, Felix, Kai, Uwe, Mark, Sophie, Anna, Lena.


Credo: Irgendwas geht immer.


Ein Rat, der ihnen geholfen hätte: Ratschläge bekomme ich meistens mehr als genug. Diese dann für mich selbst zu lesen, um etwas damit anfangen zu können, ist für mich das Entscheidende.


Warum Künstler, nicht Banker?: Diese Frage erscheint mir so abwegig, dass ich sie mir nicht stellen kann.


Ausstellung: Deichtorhallen Hamburg / Sammlung Falkenberg, 32. Arbeitsstipendium für bildende Kunst der Freien und Hansestadt Hamburg, bis 31. März.



target="_blank">http://axelloytved.de/?l=de