Elliott Hundley - Starter

Aktuelle Tragödien

Endlich nimmt sich ein junger Künstler wieder dem Stoff aller Stoffe an: der antiken Mythologie. In den Collagen und Skulpturen von Elliott Hundley gewinnen die alten Göttergeschichten eine irre Brisanz.
Götterfunken:Göttergeschichten mit Brisanz

Elliot Hundley: "The Lightning's Bride", 2011

Elliott Hundleys Assemblagen sind inhaltlich ebenso komplex wie auch ihre Ausführung. Der Künstler lässt Malerei mit Bildhauerei verschmelzen. Fotografien, die er von Freunden oder Modellen schießt, um griechische Tragödien nachzustellen, fließen ein.

Eine dekadent-chaotische Vielfalt an Materialien wie Blattgold, Drähte, zerrissene Wandteppiche, goldene Nadeln, Lupen, Bambus oder Hummerbeine kommt bei den dichten, überfrachteten Collagen zum Einsatz. Vom Magazin Interview wurde Hundley jüngst als "Rauschenberg des 21. Jahrhunderts" gefeiert. Der Kunsthändler Javier Peres verglich ihn schon gleich zu Beginn seiner Karriere mit dem Meister der Assemblagen, Joseph Cornell – nur sei Hundley "Cornell auf LSD".

"Mein natürlicher Instinkt ist, zuzufügen", erzählt Hundley über seine Arbeitsweise. "Und an einem gewissen Punkt subtrahiere ich." Was auch immer der Künstler wieder entfernt, wird aufbewahrt und in folgenden Werken weiterverarbeitet. Aus den Sets, die er für seine Fotoaufnahmen baut, wachsen schließlich Skulpturen. Collagen symbolisieren für Hundley das Konzept der Wiedergeburt. "Physisch, bildhaft und im wörtlichen Sinne", sagt Hundley. In seinem Atelier in Los Angeles ist der Künstler an mehreren Werken zur gleichen Zeit tätig. Die Fertigstellung nimmt Monate in Anspruch, weshalb er nur eine Ausstellung im Jahr macht. Jede gleicht einer Inszenierung, bei der Hundley klassische Texte mit Leben erfüllt.

Sein Interesse an Mythologie der Antike wurde durch einen fünfjährigen Aufenthalt in Rom geweckt. Im Mittelpunkt steht für Hundley das Drama Die Bakchen des griechischen Dichters Euripides, das von dem Gott des Rausches Dionysos handelt. Der rächt sich an den Bewohnern seiner Geburtsstadt, indem er alle Frauen in einen Wahn verfallen lässt, sodass sie mit wilden Tieren zusammen­leben und gewaltvolle Orgien feiern. "Kunst wie Mythologie helfen uns, das zu verstehen, was wir mit Logik und Verstand nicht in den Griff bekommen – wie Trauer, Tod und andere tiefe Emotionen", sagt Hundley. Der in North Carolina geborene Künstler, der nach seiner Zeit in Italien an der University of California in Los Angeles studierte, hatte gleich nach seinem Universitätsabschluss 2005 Erfolg: Wichtige Sammler, darunter Eli Broad und Peter Brant, kauften seine Arbeiten. Galeristen standen an, um ihn zu vertreten. Ein Jahr später gab ihm das UCLA Hammer Museum in Los Angeles seine erste Ausstellung. "Ich war damals 30 und wusste bereits, was es bedeutet, sich schwerzutun und bescheiden zu sein", sagt Hundley. "Ich sorge bewusst dafür, dass der Erfolg mich nicht zu sehr beeinträchtigt."

Elliott Hundley <br>

Geboren:  1975 in Greensboro in North Carolina.

Wohnort:  Los Angeles.

Ausbildung:  Rhode Island School of Design und University of California in Los Angeles.

Initialzündung:  Kann ich nicht erinnern... Keine Zündung, sondern ein langsamer Brand.

Höhepunkt:  Ich habe Hunderte von Sammelalben voller Höhepunkte.

Tiefpunkt:  Ich habe Hunderte von Sammelalben voller Tiefpunkte.

Helden:  Albert Camus' fröhlicher Sysyphus.

Credo:  Ich liebe Fehler. Ich warte auf sie, während ich arbeite.

Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte:  Lerne zu gärtnern, und pflege dein Altelier wie einen Garten.

Warum Kunst?  Glück und Zwang.
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