Kevin Cooley - Starter

Touristenboot als Lichtquelle

Der amerikanische Fotograf Kevin Cooley fängt mit der Kamera jene flüchtigen Lichtstimmungen und -effekte ein, die sonst kaum wahrgenommen werden. Er kultiviert die Kunst des Wartens.
Feuer und Licht:Die Arbeiten des Fotografen Kevin Cooley

Kevin Cooley fängt die Lichtspuren eines Passagierflugzeugs ein: "Landing Lax Runways 7R", aus der Serie "Nachtflüge", 2011

Man möchte hineingreifen. So weich und dicht wirkt der Rauch in den Bildern von Kevin Cooley, dass man am liebsten das Flauschige berühren und die sanft geschwungenen Windungen entlangstreichen möchte.

Der im Foto festgefrorene Moment lässt das flüchtige Element wie ein Objekt aussehen – mal massiv und undurchdringlich, mal fluffig und filigran. "Controlled Burns" heißt die Serie, zu der Kevin Cooley von den weißen und schwarzen Rauchsignalen inspiriert wurde, mit denen das Konklave die Ergebnisse seiner Papstwahldurchgänge anzeigt.

Feuer und Licht sind die zentralen Elemente im Werk des Amerikaners, der neben seinen Fotografien auch Videos macht. Als er eines Nachts zufällig an einem Filmset in Brooklyn vorbeikam – sie drehten gerade eine Szene für den Spielfilm A Beautiful Mind – war Cooley fasziniert von den künstlichen Lichtquellen, die dort zum Einsatz kamen. Sechs Monate lang folgte er daraufhin verschiedenen Filmproduktionen, um das festzuhalten, was durch nächtliche Dreharbeiten eher zufällig beleuchtet wurde. Für andere Serien benutzte der Künstler Touristenboote auf der Seine im nächtlichen Paris als Lichtquellen, oder er setzte sich stundenlang in die Nähe von Start- oder Landebahnen, um die leuchtend weißen Linien zu filmen und zu fotografieren, die Flugzeuge in den Abendhimmel malten. Das Warten sei für ihn wie eine Zen-Übung, sagt Cooley, dessen Werke sich immer wieder mit dem Verhältnis von Natur und Technik beschäftigen. Seine poetischen Lichtstudien verdichten große Zeiträume zu magischen Momenten.

"Ästhetik", so Cooley, "ist für mich ein Mittel, das den Betrachter dazu verführt, über die konzeptuellen Aspekte des Werks nachzudenken." Regelmäßig begibt sich Cooley für seine Arbeiten in einsame Landschaften, um dort Leuchtfeuer zu zünden, zu beobachten, wie ein Lagerfeuer einen Eiszapfen schmilzt und durch ihn gelöscht wird oder um dabei zuzusehen wie ein Kaktus einen im Wind flatternden Ballon zum Platzen bringt. Menschen sind bei Kevin Cooley fast nie zu sehen. "Alle meine Arbeiten basieren auf einem Gefühl von Einsamkeit", erklärt der Künstler. "Ich glaube, Einsamkeit ist ein wesentlicher Bestandteil der menschlichen Verfassung. Und es ist etwas, mit dem ich persönlich oft zu kämpfen habe."

Kevin Cooley

Geboren: Los Angeles 1975.

Wohnort: Los Angeles, vor einem Jahr zog ich hierher, nach 15 Jahren New York.

Ausbildung: The School of Visual Arts, New York, Master of Fine Arts in Fotografie und verwandten Medien.

Initialzündung: Ich fotografierte viel in meiner Jugend. Als ich einmal einen Film doppelt belichtete, war das Ergebnis viel interessanter als die normalen Fotografien. Meine Auffassung von Fotografie hatte sich komplett geändert.

Höhepunkt: Meine Ausstellung "Skyward" im Raum The Boiler der Pierogi-Galerie, Brooklyn.

Tiefpunkt: Gibt es nach jeder Ausstellung.

Helden: Caspar David Friedrich, James Turrell, Andy Goldworthy und Andreas Gurksy.

Credo: Tu es jetzt, frag später nach einer Erlaubnis.

Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: Ich wünschte, ich hätte früher gewusst, wie lange es dauert, in der Kunst etwas zu werden – nicht dass ich deswegen meine Entscheidung bereuen würde.

Warum Künstler?: Kunst zu machen ist der einzige Weg, die Welt um mich herum zu verstehen – ohne sie wäre ich komplett verloren.
http://www.kevincooley.net/