Yarisal & Kublitz - Starter

Die Augen drehen durch

art stellt junge Künstler vor: Das schweizerisch-dänische Künstlerduo Ronnie Yarisal und Katja Kublitz montiert aus banalen Gegenständen vieldeutige Skulpturen mit eigener Aura.
Zukunft des Surrealismus?:Die Arbeiten des Künstlerduos Yarisal und Kublitz

Das Künstlerduo Yarisal & Kublitz wendet religiöse Bildformeln auf Alltagsgegenstände an. Im Vordergrund: "I'm With the Band", 2013. Im Hintergrund: "Homegrown", 2013

Wenn der Surrealismus eine Zukunft hat, dann sieht sie im Idealfall so aus wie die Skulpturen des dänisch-schweizerischen Duos Ronnie Yarisal und Katja Kublitz.

Geboren 1981 und 1978, dreht sich bei den Wahlberlinern alles um die Mythen des Alltags, mit denen sich die Spätmoderne durch ihre metaphysische Obdachlosigkeit rettet: Popmusik, Drogen, Geld, Sex, Spiritualität und Exotik scheinen wie Fluchtpunkte in den handlichen, halbabstrakten Objekten auf, in denen Dinge wie Palmen, Schallplatten und Dollarnoten vorkommen.

Kunstvoll kombiniert mit edlem Metall oder Materialmischungen, die irgendwie patiniert aussehen, verbreiten sie eine kostbare, geheimnisvolle Aura, die sie in die Nähe von Reliquien und Fetischen rücken. So zum Beispiel Choosing my Religion: Die Anspielung auf den Song "Losing my Religion" der Band R.E.M. ist von einer suggestiven Geometrie – eine Dollarmünze wird von zwei Stäbchen in einer aufgestellten CD gehalten, in der sich das Licht in Regenbogenfarben bricht. Die CD selbst steckt in einer breiten Messingfassung, die schimmert wie ein Heiligenschein. Aufgerichtet durch ein kleines Dreieck aus Beton-Gips-Gemisch, könnte dieses eigentümliche Gerät auch ein Protagonist aus Stanley Kubricks Film "2001 –Odyssee im Weltraum" sein; es scheint, als beäuge es den Betrachter und führe eine ganz eigene, merkwürdige Existenz. Der Hinweis auf R.E.M. ist kein Zufall: "Rapid Eye Movement" meint die paradoxe Schlafphase, in der die Augen durchdrehen.

Ähnlich bizarr "Here's Looking at You Kid" – zwei Handabgüsse in Mudra-Stellung halten eine Eiform, in der eine M&M-Schokolinse steckt. Doch wer ist eigentlich hier und schaut wen an? Der Blick ist ein altes Thema des Surrealismus, er verweist auf die Ambivalenz der Dinge in der Welt. Genau darum geht es bei Yarisal & Kublitz: Ihre unheimlichen, seltsam autonomen Assemblagen benennen die schmale Linie zwischen dem Heiligen und dem Profanen, Pop und Gott, Materialität und Spiritualität. Es scheint, als stünden sie unter einer Spannung, die ständig irgendeine Bedeutung hervorbringt. So wie die Spätmoderne eben ist: voll von Zitaten, sehnsüchtig nach Sinn.

Steckbrief

Geboren: 1981 in Genf, 1978 in Kopenhagen.

Wohnort: Berlin.

Ausbildung: Central Saint Martins­ College of Arts, London.

Galerie: Gerhardsen Gerner, Berlin/Oslo.

Initialzündung: Schaffensdrang und ­Intuition.

Höhepunkt: Kommt noch.

Tiefpunkt: Anzufangen.

Helden: So viele.

Credo: Das Leben ist nur eine Phase.
Oder: Stirb nicht staunend!

Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: Keiner.

warum künstler?: Rastlosigkeit und Freiheit.
http://yarisalkublitz.com/