Andrew Gilbert - Starter

Heiliger Broccoli

Der schottische Künstler Andrew Gilbert vermischt in seinen Arbeiten Motive aus der britischen Kolonialzeit mit makabren Comic-Elementen.
Junge Kunst mit Auftrieb:art stellt junge Künstler vor

Andrew Gilbert: "Bonnie Prince Charlie, 1745", 2012, Wasserfarbe, Acryl & Fineliner auf Papier, 100 x 70 cm Courtesy Power Galerie, Hamburg

Was hat der afrikanische Stammesführer Shaka Zulu mit dem Expressionisten Ernst Ludwig Kirchner zu tun oder die britische Kolonialarmee mit Broccoli-Gemüse?

Die Antworten, die Andrew Gilbert darauf findet, sind ebenso kryptisch wie originell. Der schottische Künstler entwickelt in Zeichnungen, Gemälden und Installationen einen rauschhaft-absurden Kosmos, der historische Geschichtsschreibung mit maka­berem Humor und pornografischen Gewaltvisionen mischt. Ausgangspunkt für Gilberts fantastische Bildwelten ist die britische Kolonialherrschaft. In pseudonaiven Werkzyklen erzählt er Heldengeschichten von fiktiven Mischwesen wie dem "Kaiser von Afrika", "Andrew the Zulu Queen" oder der indischen Mogul-Rebellin "Lady Rajbaj". Dabei überlappen sich reale historische Ereignisse, etwa der erbitterte Kampf der britischen Armee gegen die Zulukrieger in Südafrika Ende des 19. Jahrhunderts, mit überkommenen Klischees zur Triebhaftigkeit der "Wilden". Gleichzeitig spielt Gilbert mit dem Kult des Primitiven, der die Avantgarde des frühen 20. Jahrhunderts beeinflusst hat. So tauchen in seinen Zeichnungen Reminiszenzen an Kirchner und Emil Nolde auf.

Gilbert ist nach eigenen Aussagen ein obsessiver Zeichner: "Wenn ich nicht zeichnen würde, dann würde ich nichts Sinnvolles tun, meine Arbeit hält mich am Leben", sagte der 32-jährige Künstler kürzlich in einem Interview. "Als Kind schaute ich eine Menge Monty-Python-Filme, bei denen die britische Armee wunderbar parodiert wurde." Hinter der nerdig-ironischen Pose steckt aber auch ein aufklärerischer Anspruch. Gilbert, der an der Universität von Edinburgh Kunst studierte, hat sich eingehend mit der britischen Militärgeschichte beschäftigt, in ethnogischen Museen recherchiert und sich mit dem Primitivismus in der Moderne auseinander gesetzt. Bei diesen Studien fielen ihm auch Ähnlichkeiten zwischen bestimmten Gemüsesorten und afrikanischen Fetischskulpturen auf. Daraus entwickelte er das Motiv des "Heiligen Broccoli" – sein spiritueller Beschützer und grüner Kämpfer für Gerechtigkeit.

Steckbrief<br><br>

Geboren: Edinburgh, Schottland, 1980.


Wohnort: Berlin, seit 2002.


Ausbildung: University of Edinburgh und Edinburgh College of Art.


Galerie:Power Galerie, Hamburg; SVIT, Prag; Polad-Hardouin, Paris; Ten Haaf Projects, Amsterdam.


Initialzündung: 1964 als Kind den Film „Zulu“ zu sehen.


Höhepunkt: Mein Telefon stumm zu stellen und allein gelassen zu werden, um in Ruhe zu zeichnen, ohne Kontaminierung durch die zeitgenössische Realität. tiefpunkte: Der Fall Ulundis 1879 und der Fall Jerusalems 1099.


Helden: Ernst Ludwig Kirchner, Shaka Zulu, Gordon von Khartum, persische Miniaturen und Emil Nolde.


Credo: Der heilige Brokkoli will das Rationale zerstören und jede Idee bewahren, egal, wie absurd. Alkohol trinkende Künstler und Sozialisten werden meinen Palast dekorieren, nachdem sie in kleine Stücke gehackt wurden.


Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: Vertraue niemandem (insbesondere bestimmten Kuratoren in Edinburgh).


Warum Künstler, nicht Banker?: Weil ich in direkter Verbindung zu den Nordeuropäischen Mystikern des Mittelalters stehe, durch Kirchner und Rogier van der Weyden. Wenn ich zeichne, ist meine Hand mit goldendem Licht gefüllt und meine Augen werden zu visionären Kartoffeln.

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