Michail Pirgelis - Starter

Wiedergeburt auf Erden

Ausrangierte Flugzeuge enden eigentich auf dem Schrottplatz – außer wenn Michail Pirgelis ihnen den Weg ins ewige Reich der Kunst bahnt.
Vom Nirwana ins Kunstreich:Die Skulpturen von Michail Pirgelis

Flugzeugkadaver von Michail Pirgelis in der Ausstellung "Adopted", Installationsansicht, Sprüth Magers Berlin, 7. Februar bis 5. März 2014

Auf Flugzeugschrottplätzen fahndet Michail Pirgelis nach den Versatzstücken einer untergegangenen Luftfahrt. Er ist ein Archäologe der subtilen Art.

Er sucht nach den Skeletten der Flugsaurier, tranchiert ihre Filetstücke entsprechend, schleift und poliert die Oberflächen der Rück- oder Vorderseiten und stellt zuletzt die aufgewerteten Objets trouvés in ihrer strukturellen Besonderheit zur Schau. Dabei scheut der vom Fliegen begeisterte Künstler keine Distanzen: "Schon seit mehreren Jahren interessieren mich die Wüste in Arizona und die Mojave-Wüste", erzählt er. "Die Flugzeugteile liegen dort jahrelang und sind dem Wetter ausgesetzt, werden vom Sand bearbeitet, bekommen Patina. Das sind besondere Teile, die ich in Europa gar nicht bekommen würde." Der sensitive Umgang mit dem Materiellen, unter dem er seine klugen Kontextverschiebungen vornimmt, lässt die konzeptuelle Schulung bei seiner Düsseldorfer Professorin Rosemarie Trockel erkennen.

In einer ehemaligen Autowerkstatt in Köln arbeitet der in Griechenland aufgewachsene Künstler an seinen teils monströsen Skulpturen. Den in eine Welt der Abstraktion transferierten Objekten haftet eine rätselhafte Aura, fast etwas Unberührbares an. Schließlich verbindet sich mit den Flugkörpern auch das Scheitern des Avantgarde-Gedankens der Moderne. Pirgelis: "Der Traum von der Überwindung der menschlichen Fähigkeiten bleibt den Fragmenten enthalten. Ruinen sprechen nicht nur von ihrem Verfall, sondern verkörpern auch das Potenzial, dem sie entsprungen sind." Mitunter kommt es auch vor, dass sich Pirgelis Flugzeugteile bei Airlines leiht, die er nach ihrer zeitweiligen Überführung in den Kunstkontext wieder zurückgibt.

Steckbrief

Geboren: Essen, 1976.

Wohnort: Köln.

Ausbildung: Kunstakademie Düsseldorf

Galerie: Sprüth Magers Berlin London; Qbox, Athen

Initialzündung: Bis heute keine.

Höhepunkt: Bis heute drei.

Tiefpunkt: Weit mehr als drei.

Helden: Da habe ich so um die 14.

Credo: Kenne ich nicht, hab' immer 
Carola benutzt.

Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: Mach das Beste draus!

Warum Künstler, nicht Banker?: Warum? Banksy ist doch cool.
http://www.pirgelis.com/