Mona Ardeleanu - Starter

Pelziges, Haariges, Wattiges

art stellt junge Künstler vor: die Stuttgarter Malerin Mona Ardeleanu erfindet phantastische Wesen aus alltäglichen Gegenständen.
Pelziges, Haariges, Wattiges:Seltsam vertraute Objekte

Stofflichkeit zum Genießen ohne den Ballast der Logik: "Brüter II" (2012, 100 x 80 cm, rechts)

Hängt hier ein Tuch über einem Vogelkäfig? Hat jemand aus einem alten Vorhangstoff einen Lampion genäht?

Aber nein, es sind "Falter", "Zirkler", "Zwirbel", "Brüter" und "Dreidel". So zumindest überschreibt Mona Ardeleanu ihre Gemälde – was dem Betrachter auch nicht weiterhilft. Und doch wirken diese eigenwilligen Objekte mit den befremdlichen Namen erstaunlich vertraut und stellen sich sofort Assoziationen ein. Vielleicht sind die braunen Streifen die Zotteln eines alemannischen Fasnachtskostüms? Vielleicht ist das pelzige Dings ein Muff für kalte Tage?

Die in Stuttgart lebende Künstlerin Mona Ardeleanu malt ganz traditionell. Sie hat mit Graffiti und Comics begonnen, konzentriert sich aber seit ihrem Studium bei Alex­ander Roob an der Stuttgarter Kunstakademie auf Malerei. Wenn auch nicht so detailgenau, so bringt sie ihre Motive doch in fast altmeisterlicher Manier auf die Leinwand und lässt sie wie Stillleben auf neu­tralem, graubraunem Malgrund schweben. Ardeleanu will nicht die Wirklichkeit imitieren, nicht über sich hinausweisen, sondern sie konzentriert sich auf ihre Stärken: mit Farbe Formen zu erschaffen. Auch wenn man sich hier an ein Täschchen, dort an einen Zopf erinnert fühlt, so sind es doch völlig freie Erfindungen. Am Computer ließen sich leicht solche irrwitzigen Körper konstruieren, Mona Ardeleanu dagegen setzt auf Handarbeit. Sie malt ohne Vorlagen und schöpft allein aus ihrem Bildgedächtnis. Sie scheint ein enormes Gedächtnis zu haben für Raster und Muster von Tüchern oder Stoffen, die an Sommerkleider oder Tischtücher erinnern. Die faltet sie auf ihren Bildern dann raffiniert zusammen, fächert sie in Fransen auf oder verschnürt sie zu Würsten.

"Zirkler", "Zwirbel" und "Brüter" mögen Konnotationen hervorrufen, sie lassen sich aber nicht deuten, weil ihnen die Logik fehlt: Die Objekte weisen Störungen auf, Außen und Innen, Hülle und Volumen passen nicht zueinander. So, wie die Künstlerin "aus dem Bauch heraus" malt, wie sie sagt, sollte man es bei der Betrachtung auch halten und die Sehnsucht nach Logik außen vor lassen. Es ist viel schöner, sich der enormen Stofflichkeit hinzugeben und das Pelzige oder Haarige, Wattige, Weiche oder Glatte mit dem Blick zu erspüren.

Steckbrief

Geboren: 1984 in Lörrach.

Wohnort: Stuttgart.

Ausbildung: Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, Staatliche Akademie der bildenden Künste Karlsruhe,
Akademie der bildenden Künste München,
Akademie der bildenden Künste Wien.

Galerie: Galerie Wagner + Partnern Berlin.

Initialzündung: Gute Pinsel.

Höhepunkt: Jeden Tag malen.

Tiefpunkt: Jeden Tag malen.

Helden: Omni.

Credo: Du musst den Brunnen graben, bevor du Durst hast.


Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: Ein Drittel Balsamterpentin, ein Drittel Dammarharz, ein Drittel Leinöl.

warum künstler?: Drang und drohende Übellaunigkeit.
http://www.mona-ardeleanu.de