Stef Heidhues - Starter

Macht/Ohnmacht

Die Arbeiten von Stef Heidhues erinnern an Folterinstrumente – und haben trotzdem etwas sehr Einnehmendes.
Martialische Skulpturen:Früher Dressurreiterin, heute macht Stef Heidhues Kunst

Gebrauchte Fahradketten arangiert Stef Heidhues zu einer Skulptur: "Madonna"

Lose, aber dicht an einer Stahlstange hängende Fahrradketten formen eine Art Fahne. Auf Konsolen postierte Helme aus Keramik wirken wie Vermummungen.

Schlingen aus Stoff verketten sich mit Metallgerüsten oder verbinden skulpturale Fragmente wie gebrochene Gliedmaßen. Stef Heidhues’ Arbeiten haben etwas Martialisches. Die in Berlin lebende Bildhauerin beschäftigt sich mit Vorstellungen von Macht, Hierarchie, Abgrenzung und Überwachung jenseits von eindeutigen Zuordnungen. Als ehemalige Studentin von Franz Erhard Walther in Hamburg bringt sie auch dessen an den Betrachter appellierende Idee von Skulptur ein. Allerdings ist bei meinen Arbeiten die Interaktion mental zu verstehen, sagt sie. Ihre Arbeiten haben bei allen materiellen Herausforderungen etwas Unberührbares.

Dass Heidhues früher Dressurreiterin war, überträgt sich auf die Bewegungsstruktur der Formen: Contenance und eine gewisse Panzerung zeichnen ihre Skulpturen aus. Der Körper ist viel präsenter, als man es im ersten Moment erkennt, sagt Heidhues. Sie bewundert Merce Cunningham, einen Protagonisten des Modern Dance. Auch von Filmemacher Jean-Luc Godard lässt sie sich im eher düsteren Grundtenor ihrer Arbeiten infizieren. "Rette sich, wer kann" (1980), Godards Film über die existenziellen Verstrickungen verschiedener Charaktere ist ihr Favorit. Doch es gibt ein Hoffnungsflimmern, wie sie betont. Die an Folterinstrumente erinnernden Flags besitzen eine gleißende Ornamentik. Weiche Wellen ziehen sich durch die Drapierungen der Helm-Keramiken. Und selbst bei ihren Papierarbeiten aus geschwärzten Zeitungsseiten schimmert die Aussicht auf Macht in der Ohnmacht durch.

Steckbrief

Geburtsort/-jahr: Washington DC/1975.

Wohnort: Berlin.

Ausbildung: HfbK Hamburg Klasse
Franz Erhard Walther.

Galerie: Marion Scharmann, Köln.

Initialzündung: Try again

Tiefpunkt: Fail again

Höhepunkt: Fail better.

Helden: Ein paar Leute, die hoffentlich
wissen, dass sie gemeint sind, und
Edward Snowden.

Credo: Sous les pavés, la plage.
(Situationistische Internationale).

Ein Rat, den Sie gern erhalten hätten:
Ein Rat, den ich gerne früher kapiert hätte: Life
is not a rehearsal.

Warum Künstler, nicht Banker?
Ich hasse Kostümchen, Pumps, Feinstrümpfe,
vorgegebene Arbeitszeiten und Hektik.

http://www.stefheidhues.berta.me/