Marc von der Hocht - Starter

Schichtwechsel

Marc von der Hochts abstrakte Kunst knallt richtig. Kein Wunder: Bevor er Malerei, Collage und Skulptur für sich entdeckte, tobte er sich mit Sprühdosen an Zügen aus. Am Freitag eröffnet in der Berliner Galerie Semjon Contemporary seine nächste Ausstellung.
Schichtwechsel:Marc von der Hochts abstrakte Kunst

Marc von der Hocht: "Stutter", 2014, 250 x 194 cm, Hochglanzlack auf Baumwolle

Kalt, modern und teuer geht es dort zu, wo die Kunst des jungen Berliner Malers Marc von der Hocht ihren Auftritt hat: Im Foyer des Berliner Waldorf Astoria Hotels.

Und so wirkt auf den ersten Blick auch die abstrakte, geometrische Malerei. Dieser Eindruck ist dem Bootslack geschuldet, der für von der Hocht eine besondere Bedeutung hat: "Mich interessiert in einer Art Ready-Made-Verständnis, dass die Farbe nicht an Künstler adressiert ist."

Mit Lacken kennt von der Hocht sich aus: Als Jugendlicher sprühte er Graffiti und schuf sogar "Whole Trains", hinterließ also nicht bloß sein "Tag", sondern bearbeitete komplette Züge. Heute beschäftigt er sich mit Malerei, Collagen und Maschinenskulpturen und ist doch der Graffiti-Ästhetik treu geblieben. Dichte, Dynamik und eine scharfkantig gebrochene Linienführung haben ihre Wurzeln im Bemühen der Sprüher um möglichst kryptische Styles. Zum Diskurs um die "Neue Abstraktion" äußert von der Hocht sich mit dem Hinweis, für ihn sei "alles abstrakt".

Ausführlicher berichtet er von inspirierenden Sekundenbruchteilen, in denen er aus dem Augenwinkel einen Moment urbanen Lebens einfängt, wenn er auf seinem Mountainbike durch die Straßen rast. Dieses Tempo des Moments spiegelt sich in den absichtlichen Unsauberkeiten, die seinem Werk etwas Schillerndes, Faszinierendes, Schroffes verleihen.

Marc von der Hocht

Geboren: Wilhelmshaven/1980.

Wohnort: Berlin-Moabit.

Ausbildung: TU Darmstadt/Kunsthochschule Mainz/Universität der Künste Berlin.

Initialzündung: Im Schulunterricht 1996 bekam ich die "FatCap Magazine"-Erstausgabe (New York issue Part One), die ein Freund aus New York mitgebracht hatte, in die Finger, und es war um mich geschehen. So etwas hatte ich noch nie gesehen.

Galerie: Semjon Contemporary, Berlin.

Höhepunkt: Ich habe noch 
einiges vor! Die Befriedigung nach einer vermeintlich wichtigen Etappe ist nur kurz und der Kopf frei für neue Hirngespinste, die mich fesseln.

Tiefpunkt: Eine tiefe Depression blieb mir bislang zum Glück erspart.

Helden: Kommen und gehen.

Credo: Prioritäten setzen, arbeiten, dem Instinkt vertrauen.

Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: Kümmere dich um Sekretär und Steuerberater.

Warum Künstler?: Ich kann mir nichts Faszinierenderes vorstellen! Mein 
Leben spiegelt sich in meiner Arbeit und umgekehrt – es gibt fast keinen Unterschied zwischen beiden Bereichen.

Nächste Ausstellung:

"Corpus Delicti", Eröffnung 12. September 2014, Semjon Contemporary, Berlin

http://www.marcvonderhocht.de/

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