Helen Feifel - Starter

Scherbenwelt

Aus kaputter Keramik baut Helen Feifel Skulpturen – eine verletzliche Ästhetik, die sich auch in ihren Fotos findet
Scherbenwelt:Aus kaputter Keramik baut Helen Feifel Skulpturen

Helen Feifel fotografiert ihre Skulpturen aus Porzellanstücken in Schwarzweiß und coloriert sie: "Totes Geflügel", 2013, handkolorierte Fotografie, 116 x 110 cm

Es kommt vor, dass Freunde ihre zerbrochenen Vasen und Kannen bei Helen Feifel abliefern.

Sie erwarten nicht, dass sie die Gefäße repariert zurückbekommen, sondern hoffen, dass daraus Kunst entsteht. Feifel baut Skulpturen aus kaputter Keramik. Meist handelt es sich um Industrieware, die sie in Trödelläden oder auf Flohmärkten kauft, zerschlägt und neu zusammensetzt. So entstehen eigenwillig zerstückelte Formen, bei denen die Nippeshaftigkeit des Materials im merkwürdigen Kontrast zu einer ausdrucksstarken Silhouette und schräg kombinierten Farbigkeit steht. Kurz denkt man an die Puzzlearbeit von Archäologen, dann assoziiert man afrikanische Masken oder Totempfähle.

Auch in Feifels Fotografien kommen Vasenfragmente zum Einsatz, etwa als stilisiertes Geflügel – frei nach niederländischen Stillleben – oder als voluminöse Blüten in üppigen Blumenarrangements. Außergewöhnlich ist auch hier die Farbigkeit, die an jene in historischen Fotoalben erinnert – Feifel hat die Schwarzweißaufnahmen nachträglich per Hand koloriert. Noch durchlässiger sind die Grenzen zwischen Objekt, Malerei und Fotografie bei einer Serie von Bildern, die zunächst wie abstrakte Gemälde anmuten. Erst bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass hier kompliziert konstruierte, bemalte Papierkostüme auf menschlichen Körpern fotografiert und die Fotos anschließend mit Eiweißlasuren ebenfalls bemalt wurden. Es ist diese verwirrende Camouflagehaftigkeit, die sich durch alle Werkgruppen Helen Feifels zieht. Man kann ihr auf die Spur kommen – oder sich dem rätselhaften Zauber einer flüchtigen Illusion hingeben.

Helen Feifel <br>

Geboren:  Schwäbisch Gmünd, 1983.

Wohnort:  Berlin.

Ausbildung:  Studium an der Staatlichen
Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe von 2005 bis 2011.

Initialzündung:  Ich glaube keine.

Höhepunkt:  Hoffe auf einige.

Tiefpunkt:  Hoffe auf wenige.

Helden:  So viele.

Credo:  Nie etwas bereuen müssen.

Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte:  Nie etwas bereuen müssen.

Warum Kunst?  Interesse.
http://www.kadel-willborn.de/biography.php?id=97