Julian Charrière - Starter

Abenteuer-Kunst

Ein Mann, ein Eisberg, ein Bunsenbrenner: Julian Charrière führt uns mit seinen Aktionen fast schon auf absurde Weise vor Augen, was es bedeutet, einen ökologischen Fußabdruck zu hinterlassen.
Ein Mann, ein Eisberg, ein Bunsenbrenner:Julian Charrières Aktionen

Julian Charrière, "The Blue Fossil Entropic Stories", 2013

Julian Charrière kann das Material, das er für seine pseudonaturwissenschaftlichen Arbeiten braucht, im Einkaufswagen direkt in die Werkstatt schieben.

Sein Atelier in Berlin-Schöneberg liegt in der Nähe eines Baumarkts. Das ist praktisch, denn der 26-jährige Schweizer hat keinen Führerschein. Dabei transportiert er im Bedarfsfall auch mal eine halbe Tonne Beton um die Ecke, als er zum Beispiel für seine Installation On The
Sidewalk ein Gitterfeld aus künstlichen Bohrkernen goss. "Ich betreibe eine Art Archäologie der Gegenwart", sagt Charrière. In einer Ecke seines Ateliers müffelt eine auf Mauerwerk gezüchtete Kultur aus Bakterien und Mikroorganismen unter Glas vor sich hin – und bildet dabei eine herrlich weiß blühende Schimmellandschaft.

Bekannt wurde Charrière 2012 mit Some Pigeons Are More Equal Than Others, als er mit Julius von Bismarck in Venedig Tauben mit Lebensmittelfarbe in bunte Märchenvögel verwandelte und in den Himmel steigen ließ – beide haben in Ólafur ElÍassons Institut für Raumexperimente in Berlin studiert. Charrière ist ein neoromantischer Naturabenteurer, der auf das Schmelzen der Pole aufmerksam macht, indem er an Ort und Stelle Löcher ins Eis brennt. Gerade erst schliff er für seine Installation We Are All As-tronauts Globen ab, um zu zeigen, dass sich die Welt selbst kaputtmacht. Sein Traumprojekt ist noch abenteuerlustiger: "Ich würde sehr gern mein eigenes Tier entdecken", sagt er. Wir drücken die Daumen – egal, ob das Kunst ist oder nicht.

Julian CharriÈre

Geboren: Morges, Schweiz, 3.12.1987.

Wohnort: Berlin.

Ausbildung: Bildende Kunst.

Galerie: Dittrich & Schlechtriem, Berlin.

Initialzündung: Jeden Morgen
zwischen sieben und
acht Uhr.

Höhepunkt: Meili Xue Shan.

Tiefpunkt: Danakil Depression.

Helden: Keine.

Credo: Mars und weiter geht’s!

Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: Banker zu werden.
Warum Kunst? Leider hat mir niemand dazu geraten.

http://www.julian-charriere.net/