Sebastian Hammwöhner - Starter

Poetischer Nomade

Zwischen archaisch und modern: Die Objekte und Kreidezeichnungen des Berliner Künstlers Sebastian Hammwöhner erinnern an Totempfähle und alte Webteppiche.
Mit Auftrieb:art stellt junge Künstler vor

Sebastian Hammwöhner: "o. T.", 2009, 230 x 150 cm, Pastel auf Papier

Erst sah man sie nur hier und da augenfällig an einer Galeriewand lehnen: Mit bunten Wollfäden ummantelte Vierkantstäbe aus Holz, die sich über ihre textilen Farbzonen wie Erinnerungsmarken einer verflossenen Zeit in das visuelle Gedächtnis einbrannten.

Zugleich exotisch und heimisch, archaisch und modernistisch wirken diese ummantelten Pfähle. Dann tauchten die "Poles" betitelten Objekte vermehrt auch in Gruppenkonstellationen auf, und schließlich waren sie bei der Schau "Based in Berlin" sogar im Außenraum aufzuspüren. Sebastian Hammwöhner ist der Urheber dieser fabelhaften Markierungen, die ungeachtet ihrer minimalistischen Basis entfernte Erinnerungen an Naturvölker und ihre Totempfähle aufrufen. In meditativer Geduldsarbeit umwickelt der in Berlin lebende Künstler eigenhändig seine Holzstäbe wie zum Schutz mit Wolle. Und er scheint dabei wie die Situationisten das Abschweifen von den Mechanismen der Gesellschaft zu apostrophieren: "Ich habe tatsächlich etwas Nomadisches an mir", sagt Hammwöhner, "und verfolge, wie sich die steten Veränderungen der Welt in den Dingen spiegeln."

Sebastian Hammwöhner studierte an der Kunstakademie Karlsruhe, begreift sich aber heute als Autodidakt. Eine seiner Erfindungen neben den "Poles" sind die auf schwarzem Papiergrund mit Pastellkreiden schraffierten Gewebe, die er nach direkten und indirekten Vorbildern von alten Teppichen respektive Kelims illusionistisch in bis zu vier Schichten anlegt. Der Boden seines Berliner Atelier ist förmlich mit den hochpigmentierten Kreiden übersät. "Es ist, als ob man mit Staub malt", schwärmt Hammwöhner und erinnert an das orientalische Märchen vom Fliegenden Teppich. Entsprechend poetisch erläutert er auch seine Zivilisationskritik: "Ich schaffe Teppiche der Wahrnehmung, die sich über die Realität legen." Zu den Münchner Opernfestspielen im Juni/Juli hat Hammwöhner zusammen mit Gabriel Vormstein übrigens das gesamte Bildaufgebot im Programmheft geliefert. Ein Zeichen mehr, dass er gerade auch ohne Teppich im Abheben begriffen ist.

Steckbrief<br><br>

Geboren: Frechen, 1974


Wohnort: Berlin


Ausbildung: Ja


Galerien: Meyer Riegger, Lullin + Ferrari, Patricia Low


Initialzündung: Frechen 1974


Höhepunkt: Ja


Tiefpunkt: Ja


Helden: Ja


Credo: Ja


Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: Never say yes when you want to say no


Warum Künstler, nicht Banker?: Nein

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