Christian Falsnaes - Starter

Meister der Motivation

Der in Österreich lebende Däne Christian Falsnaes textet, tanzt, musiziert und malt in seinen Performances – und animiert das Publikum mitzumachen.
Mit Auftrieb:art stellt junge Künstler vor

Wenn er loslegt, muss man auf alles gefasst sein – Performance von Christian Falsnaes: "There And Back", 2010 in der Galerie Skaanes Konstförening, Malmö

Ernst, schmal, gewissenhaft, gutes Deutsch, ganz der perfekte Schwiegersohn aus Dänemark.

Doch in Christian Falsnaes steckt ungeahnte Power, ist er erst einmal auf Publikum losgelassen und kündigt an: "Hi, I am Christian, and I would like to do a performance now." Dann darf man sich auf alles gefasst machen: Als tanzende Statisten in einem Musikvideo aufzutauchen, den singenden Künstlerstar auf Händen über die euphorisierte Masse zu heben, die Wände auf Befehl knallbunt anzusprühen oder mit der Motorsäge in Nebenräume durchzubrechen.

Falsnaes ist ein nahezu diabolischer Meister der Motivation, die Mechanismen von Partizipation und sozialer Masse hat er in den vergangenen Jahren gründlich studiert. Und er ist dabei mit allen populärkulturellen Wassern gewaschen. 1980 in Kopenhagen geboren, trieb er sich erst in der Graf­fitiszene herum und kam später durch die Zürcher Hausbesetzerszene zur bildenden Kunst, die er dann auf der Wiener Akademie studierte. Hier feilte er seine Auftritte aus, in denen alle seine Talente zusammenfließen: texten, komponieren, tanzen, Gitarre spielen, Action Painting und ein leicht exhibitionistischer Hang, der dazu führt, dass er auch mal nur mit einer Yucca-Palme verkleidet durchs Publikum läuft. Immerhin geht es ihm auch darum, die Identität eines weißen Hetero-Mannes zu persiflieren. Unangenehm wird die Situation trotzdem nie, das ist ihm wichtig. Er hat keine politische Agenda, will nicht das bürgerliche Publikum verschrecken, sondern setzt eher auf Empowerment, auf die positive Atmosphäre.

Natürlich spielt er dabei trotzdem mit dem ambivalenten Gefühl, in einer Masse aufzugehen, auf Aufforderung zu jubeln, zu tanzen, "mitzulaufen". Oft hätte er "mehr Widerstand erwartet", vor allem in Deutschland, sagt er, wo er etwa in der Berliner Galerie PSM aus den Vernissagegästen die Gruppe "Elixir" formte, mit eigenem Slogan und eigener Gestik. "Es gibt eine gewisse Trägheit in der Kunst, die ich durchbreche. Die Leute sind schnell zu begeistern, sich selbst einzubringen. Viele sehnen sich nach Utopie und Vision." Und diese stammen heute nicht mehr aus Parteizentralen, sondern aus der Maschinerie der Popkultur.

Steckbrief<br><br>

Geboren: Kopenhagen, Dänemark, 1980.


Wohnort: Wien.


Ausbildung: Akademie der bildenden Künste Wien.


Galerie: PSM, Berlin.


Initialzündung: Graffiti in den Vororten von Kopenhagen malen.


Höhepunkt: Mit meiner Mutter aufzutreten.


Tiefpunkt: Einzusehen, dass ich nie so gut Gitarre werde spielen können wie Mike Oldfield.


Helden: Aristoteles, Ultimate Warrior, Yves Klein, Nikolaus Kopernikus, Wu-Tang Clan, Ludwig Wittgenstein, Laurie Anderson, MOA Crew, Mike Oldfield.


Credo: Jenseits der Elternaufsicht ist Gefahr für das Kind. Jenseits der Schwelle ist Dunkelheit. Jenseits der Sicherheit sozialer Affirmation beginnt das Abenteuer der Kunst.


Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: Erfahrung > Rat.


Warum Künstler, nicht Banker?: Das Abenteuer Kunst!




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