Sarah Cain - Starter

Jenseits der Regelwerke

art stellt in der Serie "Starter" junge Künstler vor. Diesmal: Sarah Cain erfindet die Malerei neu.
Frontalzusammenstöße:Sarah Cains Kunst ist wild, ungestüm und gut

Auf der Suche nach der Freiheit, Sarah Cain: "Jill", 201, Mixed-Media, verschiedene Maße

Diese Kunst kennt keine Regeln: Farben kriechen die Wände empor, strecken sich auf dem Boden aus, wirken wie Installationen, sprengen Rahmen, scheinen Leinwände aufzuschlitzen und dehnen sich aus bis auf die Rückseiten der Gemälde.

Merkwürdige Dinge wie Ketten, Federn, Murmeln, Eheringe oder abgeschnittene Haarzöpfe gehören ebenfalls zum unorthodoxen Repertoire von Sarah Cain, die sich nie lang mit Regeln aufhielt: Mit 15 Jahren schmiss die in einer Kleinstadt im New Yorker Hudson Valley aufgewachsene Cain die Schule. Sie zog, ohne Französisch zu sprechen, für ein Jahr nach Südfrankreich, um dort die Schule zu besuchen. "Ich habe zu dieser Zeit bereits gemalt”, so Cain. "Ein Jahr lang nicht kommunizieren zu können, stumm zu sein, festigte meinen Entschluss, Künstlerin zu sein.”

Cain besuchte anschließend für ein Jahr die Parson Designschule in Paris. Nach ihrer Rückkehr in die USA zog sie nach Kalifornien, um am San Francisco Art Institute und später an der University of California in Berkeley zu studieren. Für einige Jahre hielt sie sich vom Kunstmarkt fern. Sie arbeitete in der Gegend von San Francisco und Upstate New York an Installationen in verlassenen Gebäuden. Ihr gefiel das Unmittelbare, das Improvisieren und die Schnelligkeit ihrer Arbeit. "Ich wollte die Malerei von allen Beschränkungen befreien und suchte nach Wegen, um mich selbst zu befreien." Sie arbeitete ohne finanziellen Aufwand und unter Risiko, weil sie in aller Regel keine Genehmigung hatte, die Gebäude zu übernehmen. Außerdem schuf sie Arbeiten, die keinen in Geld zu bemessenden Wert darstellten.

"Entweder lässt man sich von der kommerziellen Seite der Kunst stoppen oder man findet einen Weg. Die Welt ist so korrupt. Es gibt so viele Karrieristen, die sich als Künstler aufführen und für ihre schlechte Arbeit bejubelt werden”, sagt Cain, die 2006 ihre erste Galerieausstellung bei Anthony Meier Fine Arts in San Francisco hatte. Nicht viel später ließ sie sich in Los Angeles nieder. Sie begann, mit Acryl-, Gouache- und Latexfarben auf Leinwand zu arbeiten und das traditionelle Format nicht anders als ihre Kunsträume zu behandeln: Sie beschneidet die Leinwand, um sie zu dekonstruieren und neu zusammenzusetzen. Sie integriert gefundene und gesammelte Objekte, die sie manchmal an Orte und Ereignisse erinnern oder ein Eigenleben mitbringen. "Es geht mir um den Zusammenstoß von unterschiedlichen Räumen: physisch, emotional und psychisch”, sagt sie. "Es ist meine Übersetzung des Lebens.”

Steckbrief<br>

Geboren: Albany, New York in 1979, Sternzeichen: doppelter Wassermann.

Wohnort: Los Angeles.

Ausbildung: 35 Jahre meines Lebens.

Galerie:Honor Fraser in LA, Anthony Meier Fine Arts in San Francisco, Galerie
Lelong in New York.

Initialzündung: Ich beschäftigte mich schon als Teenager mit Kunst. Ich wusste, dass es für den Rest meines Lebens sein würde.

Höhepunkt: Das Vergnügen zu haben, meine Arbeit neben den Arbeiten unglaublich guter anderer Künstler zu sehen. Was sich großartig anfühlt, als ob die Arbeit Freunde gefunden hätte.

Tiefpunkt: Nicht, dass ich mich daran erinnern möchte.

Helden: Das Wort Held gefällt mir nicht, fast alle Definitionen schreiben es dem männlichen Geschlecht zu. Allerdings denke ich über die späten Arbeiten von Philip Gus­ton nach, wie er New York verlassen musste, um auf das Land zu ziehen und dass er aufhörte, seine Kritiken zu lesen.

Credo: Niemals Kompromisse in Sachen Integrität einzugehen.

Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: Ablehnung gehört zum Künstler- und Menschsein dazu.

Warum Künstler, nicht Banker?:
Es ist, was ich bin.
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