Aboudia - Starter

Verlorene Kinderseelen

Der von der Elfenbeinküste stammende Maler Aboudia steht als ein möglicher Nachfolger Jean-Michel Basquiats am Beginn seiner Karriere – doch seine farbenfrohen Leinwände lassen die Schrecken von Krieg und Kolonialismus durchscheinen
Abbilder verlorener Seelen:Aboudia zwischen Art Brut und Graffiti

Der von der Elfenbeinküste stammende Maler Aboudia sieht die Zukunft seines Landes in den Kindern:"No more children soldier", 2013, Mixed-Media auf Leinwand, 125 x 200 cm

Doch, gibt der als Abdoulaye Diarrassouba 1983 in Abidjan geborene Aboudia beim Gespräch in den Räumen seiner Berliner Galerie zu, den Vergleich mit Basquiat höre er öfter.

Seine inzwischen international gefragten, großformatigen Leinwände geben durchaus Anlass zum Vergleich mit dem New Yorker: knallbunte Farben, eine aufs Elementare heruntergebrochene Formensprache, angesiedelt im Grenzgebiet von Art brut, Krickelkrackel und Graffiti mit einem Hauch Afro-Ethno. Im Bild "Point of
Balance" erzählt er seine eigene Geschichte: "Es geht um einen Mann, der sich mit seiner Herkunft versöhnt hat und an einem Punkt ist, an dem er sich sein Traumauto leisten und gut leben kann. Es ist ein Aufruf zur Hoffnung."

Die Quelle seiner Inspiration ist der eigene Erfahrungshorizont, denn er hat selbst erlebt, wie während des Bürgerkriegs seine Heimat zur Hölle wurde. Nur ein Hauch dieses Schreckens offenbart sich, wenn, nach etwas ganz anderem befragt, er beinahe in Gedanken versunken davon erzählt, dass man etwas für die Kinder in seiner Heimat tun müsse. So gelesen offenbaren sich seine scheinbar vor Lebenswillen explodierenden Werke als Abbilder verlorener Seelen.

Aboudia pendelt zwischen den Welten, er lebt und arbeitet in Abidjan und New York. Die Gegensätze der Kulturen verarbeitet er auch in seinen Werken – sie bilden buchstäblich die Grundlage seiner Arbeit: Vor dem Malen beklebt er seine Leinwände mit Zeitungsseiten der "Financial Times", Abbildungen afrikanischer Skulpturen aus Auktionskatalogen oder Seiten aus dem Kinder- und Erwachsenen-Comic "Tim und Struppi". Das ist durchaus als kritischer Kommentar zu Kolonialismus, Globalisierung und kultureller Ausplünderung zu lesen – und hebt ihn ab von seinem berühmten Vorgänger Jean-Michel Basquiat.

Aboudia

Geboren: 21. Oktober 1983.

Wohnort: Abidjan, Elfenbeinküste, und in der Nähe von New York.

Ausbildung: Abidjan Art School (INSAAC)

Initialzündung: Erkundung, Erfindung, Befriedigung, Zauber.

Galerien: Jack Bell (London), Ethan Cohen (New York), Mikael Andersen (Berlin).

Höhepunkt: Ehrlichkeit.

Tiefpunkt: Ich hasse es, wenn mir Leute misstrauen, denen ich vertraue.

Helden: Nelson Mandela.

Credo: Malen ist meine Droge.

Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: Wie man sich gegenüber anderen besser im Griff hat.

Warum Künstler, nicht Banker?: Weil alles irgendwann an irgendeinem Punkt mit einem Hauch von Kunst endet.
http://www.aboudiart.com/