Kristina Schuldt - Starter

Klärung und Härtung

Malen ist für die Meisterschülerin von Neo Rauch ein geduldiges Spiel: Läuft es gut, steht am Ende „ein klares Bild, das ewig steht“
Mit Auftrieb:art stellt junge Künstler vor

Kristina Schuldt: "Mädchenzimmer", 2010

An Kristina Schuldts Ateliertür im Leipziger Schauspielviertel hängt das chinesische Schriftzeichen für "Glück". Ein Gefühl, das man nicht unbedingt assoziiert, wenn man die Bilder der 1982 in Moskau geborenen Künstlerin betrachtet. Im Gegenteil: Schuldts Gemälde wirken fest, düster und gewalttägig.

Es sind beklemmende Szenen mit verrenkten Frauenkörpern und klotzig wirkenden Männergestalten, technischen Gerätschaften, Röhrenlabyrinthen und Kabelknäueln. Auch den Schrumpftrunk und den Wucherkeks aus Lewis Carrolls "Alice im Wunderland" hat sie gemalt. Die Bilder der Meisterschülerin von Neo Rauch wirken wie Fabeln aus der elektrisch beleuchteten Unterwelt, altmeisterlich-kreidig auf die Leinwand gebracht in Eitempera und schmutzigen Farben.

Ihre Themen finde sie überall, sagt Schuldt: beim Fernsehen, in Büchern, der Klatschpresse oder dem eigenen Alltag. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie eine Foto-Abmalerin ist. Ihre Ideen hält sie in Skizzen fest oder bringt sie aus dem Gedächtnis auf die Leinwand. Der Prozess der Bildfindung läuft als Klärung und Härtung ab: "Ich versuche aus allem so etwas wie ein Piktogramm zu machen, ein klares Bild, das ewig steht."

Bei der Wahl der Formate folgt die Künstlerin einem einfachen Schema: Die großen Formate, an denen sie oft mehrere Monate arbeitet, reserviert sie für komplexe Themen. Die Kleinformate sind Stillleben oder Porträts vorbehalten. Auffällig an ihren Bildern ist die Gequetschtheit des menschlichen Körpers – wenn Schuldt malt, dann gibt es kein Jenseits des Rahmens: "Ich mag es, wenn der Bildraum geschlossen bleibt." Malen ist für Schuldt ein Spiel, das Geduld erfordert. Das Glück entsteht beim langwierigen Ringen um das Bild.

Steckbrief<br><br>

Geboren: Moskau, Russland, 1982


Wohnort: Leipzig


Ausbildung: Hochschule für Grafik und Buchkunst: Fachklasse für Malerei und
Grafik bei Sighard Gille, Annette Schröter (2004/08) und Neo Rauch (2008/09);
seit 2010 Meisterschülerin bei Neo Rauch


Galerie: Kunstclub Hamburg


Initialzündung: Viel entscheidender als die eine sind die vielen kleinen „zündenden“ Ideen, die zu einem Bild führen können.


Höhepunkt: Wenn ich etwas in Gang kriege, malerisch. Das Chaos ordnen. Wenn eine Figur auf der Leinwand geboren wird, sich zeigt.


Tiefpunkt: Ein Tiefpunkt ist für mich immer auch ein Ausgangspunkt für die Arbeit. Das ist ein wichtiger Teil meiner Themenwelt, die Niederlage, das Scheitern. Es ist der Moment des tiefsten Punkts, der mich interessiert.


Helden: Piero della Francesca, Pablo
Picasso, Max Beckmann, Fernand Léger, Konrad Klapheck


Credo: Wenn, dann richtig


Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: Niemals zweifeln!


Warum Künstler, nicht Banker?: Ich würde da gar nicht so einen riesen Unterschied machen. Allerdings sehe ich als Künstlerin einige Vorteile. Neben der Freiheit,
die ich empfinde, sind auch die Ergebnisse meiner Arbeit direkt erfahrbar.

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