Daniel Man - Starter

Komplexe Denkbilder

Der in Deutschland aufgewachsene Künstler mit chinesischen ­Wurzeln kratzt geheimnisvolle Zeichen in glatte Bildoberflächen.
Mit Auftrieb:art stellt junge Künstler vor

Fensterloser Galerieraum, von Neonlicht beleuchtet: Blick in Daniel Mans Ausstellung "Wie wahr ich?" (September bis Oktober 2012) bei Nusser & Baumgart, München

Schwarz grundierte Bilder mit farbigen geometrischen Formen und mysteriösen Zeichen hängen von Neonlicht beleuchtet in dem fensterlosen Galerieraum.

In einer Ecke baumelt ein Strick mit einem Henkersknoten von der Decke herab. Daniel Man hat daran einen Spiegel befestigt, in dessen Rückseite er tiefe Linien gekratzt hat. Wenn Licht darauf fällt, sieht er von vorne aus wie ein nächtlicher Sternenhimmel.

In seinen Gemälden, Skulpturen und Installationen verwebt Daniel Man religiöse und naturwissenschaftliche Symbole mit persönlichen Erinnerungen zu komplexen Denkbildern. Kaum zu glauben, dass er schon eine Karriere als Graffiti-Künstler hinter sich hat. Mit tief ins Gesicht gezogener Strickmütze hinterließ er auf Häuserwänden, Brückenpfeilern und Tanklastzügen fantasievolle Schriftzüge. Seine künstlerischen Arbeiten in der Galerie Nusser & Baumgart wirken dagegen fast minimalistisch. "Ich trete für ein entschiedenes Dazwischen ein", erklärt Man. "Vielleicht hat das mit meiner Biografie zu tun."

1969 in London als Kind chinesischer Eltern geboren, wuchs er in Hongkong auf, bevor die Familie nach Deutschland umsiedelte. An den Kunsthochschulen hat er sich zunächst vergeblich beworben. "Du hast doch schon ein beeindruckendes Werk als Graffiti-Künstler geschaffen. Was willst du hier noch lernen?", wurde ihm gesagt. Auf Empfehlung von Raimund Kummer kam er schließlich in die Klasse von Walter Dahn an der HBK in Braunschweig und später zu Markus Oehlen an die Akademie der Bildenden Künste in München. Dort fand er ein pulsierendes Umfeld mit Menschen, die in verschiedenen künstlerischen Gattungen zu Hause sind.

Anders als bei den Graffiti, die unter Zeitdruck entstehen, arbeitet er an seinen Bildern oft Monate. Er kratzt kryptische Zeichen in glatte Bildoberflächen, übermalt Elemente, um sie später vielleicht wieder freizulegen. "Ich möchte den Dingen auf den Grund gehen", sagt Man. "In der Kunst kann ich mich immer wieder neu hinterfragen."

Steckbrief:

Geboren:
London, Großbritannien, 1969.


Wohnort: Hunnenwiese (zwischen ­München und Augsburg).


Ausbildung: Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, Akademie der Bildenden Künste München.


Galerie: Nusser & Baumgart, München.


Initialzündung: Style Wars.


Höhepunkt: Welchen?


Tiefpunkt: Eine Bühne in Shenzhen.


Helden: Hulk, Ritchie Prince, Capra, Sheldrake und andere.


Credo: Tu es jetzt.


Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: Den hätte ich mir eh nicht merken können.


Warum Künstler, nicht Banker?: Ich kann nicht mit Zahlen umgehen, deshalb Künstler.
http://danielman.net/cv/

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