Erik van der Weijde - Starter

Archäologe mit Kamera

Erik van der Weijde bringt seine Fotoserien selbst als Bücher heraus und schafft so geschichtsträchtige Gesamtkunstwerke mit Tiefgang.
Ikonen in Serie:art stellt junge Künstler vor

Sozialer Wohnungsbau der NSDAP: Bild aus der Serie "Siedlung" (2008)

Erik van der Weijde hat keinen Spaß am Fotografieren. Was aber nicht bedeutet, dass er es nicht trotzdem ausgiebig täte.

Anderenfalls käme er mit 36 Jahren nicht auf über 30 Publikationen. Das Fotografieren sei einfach sehr anstrengend, denn das Einzelbild ist nur noch Teil eines übergeordneten Konzepts. Inhaltlich kreist er um die Themenfelder Geschichte, Familie und Architektur. Seine anhaltende Faszination für das Bildersammeln verbindet van der Weijde mit einem prägenden Kindheitserlebnis, als er während eines Familienurlaubs in Bayern auf einem Zeltplatz eine Blechbüchse mit Hunderten Nazisammelkarten fand. "Ich wusste, dass etwas mit den Bildern nicht stimmen konnte, war aber zu jung, um ihre Bedeutung wirklich zu verstehen." Am Ende verbrannte die Familie alle Bilder. Seine heutige Arbeit habe viel mit dem Wiedererschaffen jenes Momentes zu tun, an dem man auf eine neue Bildersammlung stoße.

Im Gegensatz zu ihren komplexen Thematiken erscheinen van der Weijdes Bilder faszinierend simpel. Schwarzweiß, dokumentarisch, nicht so streng komponiert wie die Fotografien der Bechers, deren Arbeit er bewundert. Er veröffentlicht seine Serien im eigenen Verlag "4478zine", und jedes Buch sei für ihn wie ein neues Gebäude, ein Raum um die Welt anders zu begreifen. "Siedlung" (2008) zum Beispiel besteht aus 240 Fotos von Einfamilienhäusern, die während des Dritten Reichs als Teil der Siedlungspolitik für NSDAP-Mitglieder der Arbeiterklasse gebaut wurden. Der prägnante Titel in Frakturschrift auf dem Cover des Buchs strahlt eine düstere Kraft auf seinen Inhalt aus. Fast ist es so, als ob der Titel wirkmächtiger sei, als die Fotos. Sowohl Titel als auch die Bilder müssten für ihn ikonische Qualitäten haben, sagt van der Weijde.

Steckbrief<br>

Geboren: Dordrecht, 1977.


Wohnort: Ich pendele zwischen Waalwij in den Niederlanden und Natal in Brasilien.


Ausbildung: Fotografiestudium an der Gerrit Rietveld Academie in Amsterdam und zweijährige Residency an der Rijksakademie für Bildende Künste in Amsterdam.


Galerie: Chert Gallery, Berlin


Initialzündung: Ich habe das erste Mal Kunst in Erwägung gezogen, als ich Oscar Niemeyers Kirche São Francisco von 1943 in Belo Horizonte gesehen habe – das war 1995.


Höhepunkt: Wahrscheinlich mein drei-monatiger Tokio-Aufenthalt 2011.


Tiefpunkt: Wahrscheinlich Erdbeben, Tsunami und Supergau im März 2011, als ich in Tokio war.


Helden: Der niederländische Künstler Paul Kooiker, der deutsche Filmemacher Rainer Werner Fassbinder und das deutsche Fotografenpaar Bernd und Hilla Becher.


Credo: Just do it.


Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: Just do it.


Warum Künstler, nicht Banker?: Als ich klein war, wollte ich ein erfolgreicher Geschäftsmann werden, und ich spiele immer noch gern mit Zahlen, wenn sie meine Kunst betreffen. Ich weiß bei jeder Publikation den Tag, an dem sie Profit machte (wenn das der Fall war), die Erträge der verschiedenen Verkaufskanäle und so weiter. Ich liebe Zahlen und Excel-Tabellen! Ich bin gar nicht so anders als ein Banker – na ja, ich reise vielleicht mehr und stehe morgens später auf …

Webseite von 4478zine

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