Michael Conrads - Starter

Bitte mal konzentrieren!

Michael Conrads’ komplexe geometrische Kompositionen fordern den Betrachter zum Nachdenken auf und machen dabei auch noch Spaß.
Umdenken als Überlebensstrategie:Michael Conrads

Michael Conrads wurde vom Urwald in Mexiko inspiriert: "Tropic of Cancer", 2012, Acryl, Öl, Lack, Karton und Bitumen auf Leinwand, 207 x 300 cm

Hier kann man die Orientierung verlieren. Der Blick mäandert über die Fläche, sucht nach Anhaltspunkten.

In Michael Conrads’ Bildern geht es blitzschnell rauf, runter, um die Ecke. Er schafft aus komplex verschränkten Geometrien pulsierende Vexierspiele: Rauten, Dreiecke, Parallelogramme formieren sich zu illusionistischen Räumen, die jede Logik zu verhöhnen scheinen. Treppenformen verstricken sich in Widersprüche, scheinbar flache Muster prallen auf Formen, die Dreidimensionalität suggerieren. Conrads’ isometrische Kompositionen wirken wie eine Mischung aus den perspektivischen Unmöglichkeiten M. C. Eschers und flirrenden Op-Art-Flächen – allerdings ohne deren pedantisch-akkurate Ästhetik. Seine Bilder entstehen durch Übermalungen und Überklebungen aus unterschiedlichen Materialien: Acrylfarbe, Bitumen, Ölfarbe, Schellack. "Die Idee zu einem Bild trage ich meist lange mit mir herum", erklärt Conrads, "Parameter wie Größe, Material und Technik überlege ich mir gut. Da der Malprozess arbeitsintensiv ist, ist es wichtig, das Ziel genau zu formulieren, damit ich mich nicht verfranse."

Überraschend ist die Nachlässigkeit des Farbauftrags. Überall tropft und schliert es, die Oberflächen wirken unsauber-verwischt, als sei der penible Aufbau bereits im Verfall begriffen. Es sind Bilder, die nicht nur die Wahrnehmung herausfordern, sondern auch als Parabeln auf die Unübersichtlichkeit und Überforderungen des modernen Großstadtlebens fungieren, Sinnbilder für einen Alltag, in dem schnelles Umdenken eine Überlebensstrategie ist. Anregungen findet Conrads in der konstruktiven und minimalistischen Kunst des 20. Jahrhunderts genauso wie auf Reisen. Zuletzt war er in Mexiko, wo ihn ein Wandbild von Pedro Friedeberg, die Vegetation des Urwalds oder der surrealistische Skulpturengarten Las Pozas von Edward James inspiriert haben. Das Zitieren und Kompilieren kunsthistorischer Referenzen prägt auch seine plastischen Werke. Für die Serie "The Muses" hat er Constantin Brâncusis endlose Säule in zwölf Varianten aus glasiertem Porzellan ausgeführt. Der Perfektion des Vorbilds setzt Conrads allerdings den Charme des Handgemachten entgegen.

Steckbrief<br>

Geboren:
Grevenbroich, 1977. 

Wohnort: Berlin. 

Ausbildung: Kunststudium bei Pia Stadtbäumer und Achim Hoops, HfbK Hamburg.

Ausstellung: Bis 19. Oktober in der Produzentengalerie Hamburg

Webseite: michaelconrads.com


Initialzündung: Man gab mir Stift
und Papier.

Höhepunkt: Willkommene Begleit-
erscheinung. 

Tiefpunkt: Der beste Lehrmeister.

Helden: Haben es nicht leicht.

Credo: Langer Atem.

Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: Derer gab es viele!

Warum Künstler, nicht Banker?: Ja – warum eigentlich nicht? 
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