Funda - Starter

Subtiler Existenzialismus

In der Serie Starter stellt art junge Künstler vor. Die Münchnerin Funda geht mit ihren Performances über ihre eigenen Grenzen.
Perfekte Provokationen:die Münchner Aktionskünstlerin Funda

Öffentliche Folter von Funda: "Infantile Tension", 2010, Performace in der Galerie Steinle Contemporary, 25 Minuten

Eigentlich kann man nicht auf sein eigenes Grab pinkeln. Der Künstlerin Funda Gül Özcan gelingt das trotzdem.

In ihrer Performance "Die Fatiha" ergießt sich aus ihrem geöffneten Hosenlatz ein riesiger Wasserstrahl auf den aufgehäuften Erdhügel vor ihren Füßen. "Ruhuna Fatiha Funda" steht auf dem Grabstein unter dem türkischen Halbmond geschrieben. Die Situation hat etwas Erleichterndes. Aber zuvor musste der Zuschauer eine Menge erdulden. Denn Funda rasierte sich mit einem scharfen Messer und verletzte sich dabei absichtlich. Anders als in den Performances der sechziger und siebziger Jahre verbindet sie damit jedoch keine strenge politische Botschaft. Sie schafft vielmehr eine ambivalente Situation, in der es weder eindeutige Täter noch Opfer gibt.

Vieles ist Familiengeschichte, die sie subtil mit den existentiellen menschlichen Grundfragen verbindet. Als Kind türkischer Einwanderer in Garmisch-Partenkirchen geboren, absolvierte sie zunächst eine Ausbildung zur Holzbildhauerin, bevor sie an der Akademie der Bildenden Künste in München studierte. Zur Kunst kam sie durch die Zeichnung, doch ihre bevorzugten Medien sind inzwischen Video und Performance. In vielen ihrer Arbeiten reflektiert sie die Mechanismen des Kunstbetriebs, die Gier des Publikums nach der Selbstentäußerung des Künstlers. So ließ sie die Besucher bei einer Performance in der Münchner Galerie Steinle Contemporary an einem Waterboarding teilnehmen und machte sie durch ihre Schaulust zu Mittätern.

Über eine frühe Performance berichtet sie: "Das endete fast mit einer Einweisung in die Psychiatrie!" Dabei saß sie nur auf einem Stuhl in einem selbsteingezäunten Bereich in der Münchner Fußgängerzone. Im vergangenen Jahr lud das Künstlerduo Elmgreen & Dragset sie ein, an dem von ihm kuratierten Projekt "A Space Called Public – Hoffentlich Öffentlich" in München teilzunehmen. Funda thematisierte mit einer Performance in einer selbstgebauten Bretterburg das Verweilen an einem Un-Ort in einer Zeit, in der die meisten Menschen immer überall dabei sein möchten.

Steckbrief<br>

Geboren: 1984.

Wohnort: Noch München.

Ausbildung: Meisterschülerin/Akademie der Bildenden Künste München.

Initialzündung: Die letzte Zündung in der Ausstellung "Wiener Aktionismus" im mumok in Wien 2006.

Höhepunkt: Nach jeder fertigen Arbeit.

Tiefpunkt: Nach jeder fertigen Arbeit.

Helden: Mein Held ist der Mann, der sich am 5. Juni 1989 auf dem Tiananmen-Platz in Peking den Panzern entgegenstellte. Ich wünschte, auch ich könnte diese Welt mit solch einem Bild verlassen. Und: David Lynch, Lars von Trier, Edward Kienholz, Francesca Woodman, Santiago Sierra, George Enescu.

Credo: Stillstand ist Tod.

Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: "Lass deine Arbeiten von Profis dokumen­tieren!"

Warum Künstler, nicht Banker?: Viele, viele, viele, viele viele, viele Gründe!
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