Barney Kulok - Starter

Simple Fakten

Wie viel Vergangenheit und Zukunft sind in der Gegenwart enthalten? Der New Yorker Fotograf Barney Kulok versucht, das mit seiner Kamera herauszufinden
New York im Wandel:art stellt junge Künstler vor

Alltagsbeobachtung von Barney Kulok aus dem sich ewig wandelnden New York: "Queen Amazones (Avenue D)", 2006, aus der Serie "Simple Facts"

Als er zum ersten Mal das Buch "Moments Preserved" von Irving Penn in den Händen hielt, beschloss Barney Kulok, Fotograf zu werden.

Der damals 17-Jährige lieh sich eine Rolleiflexkamera, baute im Wohnzimmer seiner Eltern ein Studio auf und schoss Porträts von seinen Mitschülern. Unbedarft schickte er eine Auswahl der Bilder an sein großes Vorbild. Irving Penn schrieb zurück: "Die Fotografie ist komplexer als simple Fakten. Ich hoffe, dass es Ihnen gelingen wird, Form und Seele zu finden."

In Anlehnung an Penns Worte nannte der 1981 in New York geborene Kulok seine erste Einzelausstellung 2007 "Simple Facts". Es handelte sich um Alltagsbeobachtungen wie eine abgewetzte Kopfstütze im Sonnenlicht, einen Kunstblumenstrauß in einem Autorückfenster oder eine verwitterte Warhol-Kopie. Sein nächstes Projekt führte Kulok, der Stephen Shore als Mentor bezeichnet und Assistent von Vik Muniz war, zu vergangenen Orten in New York, wie dem nicht mehr existierenden "Coney Island High"-Punkclub im East Village oder der früheren Galerie 291 von Alfred Stieglitz. Dabei sammelte er mit seinem Telefon die Namen der WLAN-Netzwerke, die auf der Strecke auftauchten. Die Namen sprühte er mit schwarzer Farbe auf schwarze Aluminiumplatten, um unsichtbare Landschaften einzufangen.

Die sich verändernde Stadt unter Einfluss der Vergangenheit blieb sein Thema. Ein Jahr lang trieb er sich auf Roosevelt Island herum, wo ein Park gebaut wird, den der Architekt Louis I. Kahn 1973 kurz vor seinem Tod entworfen hatte. Kulok richtete seinen Blick gen Boden, wo Pflastersteine wie Würfel auf eine Promenade gefallen zu sein scheinen oder ein simples Stück Draht kunstvolle Schatten wirft. In einigen Bildern setzt Kulok seine eleganten Formspiele in Perspektive zu seiner Heimatstadt. So ist hinter einem gewaltigen Haufen Bauschutt die Spitze der nach Manhattan führenden Queensboro-Brücke zu sehen.

Steckbrief

Geboren: New York City, 1981.


Wohnort: New York City.


Ausbildung: Bard College, Annandale-on-Hudson, New York.


Galerie:Hussenot, Paris und Nicole
Klagsbrun, New York (die allerdings diesen Sommer schließt).


Initialzündung: Irving Penns Porträts.


Höhepunkt: Die Veröffentlichung meines ersten Buchs.


Tiefpunkt: Viele.


Helden: Walker Evans, Buster Keaton, Louis I. Kahn.


Credo: Die Zeit fliegt wie ein Bogen, Früchte fliegen wie eine Banane.


Warum Künstler, nicht Banker?: Es ist der lohnendste Weg, den ich gefunden habe, um mich mit der Welt einzulassen.