Dirk Krecker - Starter

Getippte Städte

Dirk Krecker zeichnet mit der Schreibmaschine. Aus Sprache formt er Stadtlandschaften und andere Motive – mit oft düsterem Innenleben.
Mit Auftrieb:art stellt junge Künstler vor

Dirk Krecker: "I´m not a Pirate I´m a fisherman", 2011, 53 x 37 cm

Das Bild ist ein Fetzen. Ein löchriges Gewebe mit weggebrochenen Rändern und düsterem Farbüberzug.

Dirk Krecker hat ein Blatt in die Schreibmaschine eingespannt, es so lange beschrieben, bis die Buchstaben herausgebrochen sind. Das Bild ist nun Träger von Informationen, die in ihrer absurden Verdichtung undechiffrierbar geworden sind. Doch so weit geht Krecker nur selten. Mit Farbband und Typen entwirft er bei seinen "Typewriter Drawings" aus Sprache dichte Stadtlandschaften. Zuweilen erkennt man Hubschrauber, Hochhäuser, menschliche Silhouetten, entziffert Satzfragmente wie "stressbedingte Selbstmordrate" – alles, was in Großstädten so vorkommt. Kreckers urbane Räume, für die er Versatzstücke aus diversen Medien kombiniert, sind von faszinierender Mehrdeutigkeit.

Nicht nur, weil es in der Natur der Sache liegt, dass sich die Fern- von der Nahbetrachtung unterscheidet, weil das Gesamtbild sich stets aus schier unendlich vielen Einzelabbildungen zusammensetzt. Die Ausdrucksmöglichkeiten, die er der Schreibmaschine abringt, reichen vom zarten Ornament bis hin zu einer wuchtigen, dick übereinandergeschichteten Pastosität, die fast aggressiv daherkommt. Dabei nutzt er zur Bildfindung alle Möglichkeiten – auch Unzulänglichkeiten – seines Zeichengeräts. Flirrende, op-artige Gewebe entstehen etwa durch eine leichte Verschiebung beim zweiten Tippen banaler Linien. Rhythmische Reihungen ergeben sich, wenn Sätze ständig wiederholt werden. Wer sehr nah herangeht, um dicht Übereinandergeschriebenes zu lesen, entdeckt eine zweite, meist düstere Bedeutungsebene, die von Überwachung, Militarisierung und globaler Migration handelt.

Steckbrief<br><br>

Geboren: 1972


Wohnort: Frankfurt am Main


Ausbildung: Meisterschüler & Diplom-Designer


Galerie: Galerie Lorenz, Frankfurt am Main; Laura Mars Grp., Berlin


Initialzündung: "Wild Style", 1983


Höhepunkt: Peace Love Unity


Tiefpunkt: Fragmentierung &
Vereinzelung


Helden: Dirty Beaches, Peaking Lights, Gonjasufi


Credo: not in our name


Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: Gute Ratschläge gibt es überall.


Warum Künstler, nicht Banker?: Das ist nichts für mich.

target="_blank">http://www.dirkkrecker.de/