Anna Ostoya - Starter

Ein Koffer in New York

Die polnische Künstlerin Anna Ostoya begibt sich in ihrer Wahlheimat New York auf kulturelle Spurensuche und entdeckt Malen als radikale Handlung.
Mit Auftrieb:art stellt junge Künstler vor

Anna Ostoya: "Exposures: 16.02.2011", Papier maché, acrylic, archival print on paper and newspaper on canvas, 61 x 50,8 cm

Anna Ostoyas erste Einzelausstellung in New York 2011 in der Bortolami Gallery war wie ein Rennen gegen die Zeit. 28 Bilder, eines pro Tag, produzierte die Künstlerin für ihre "Exposures"-Serie.

Jede Collage im selben Format, das Material auf Zeitungen, Blattgold und Pappmaché beschränkt. Die minimalistischen Formspiele waren stilvoll und zeitlos. Gleichzeitig wirkten sie antiquiert, als ob eine junge Künstlerin in aller Aufrichtigkeit versuchte, den Lauf der Zeit zu verstehen, um ihren Platz in der Kunstgeschichte zu finden. In der Vergangenheit zählten Arbeiten, in denen die Künstlerin die Sechziger-Jahre-Ikonen Brigitte Bardot und den polnischen Filmstar Kalina Jedrusik als Symbole der Weiblichkeit oder die Studentenproteste von 1968 in Warschau und Sit-ins in New York gegenüberstellte, zu ihrer kulturellen Spurensuche.

Das New Yorker Museum of Modern Art lud Ostoya ein, der Avantgardebewegung neues Leben einzuhauchen, und stellte ihr für einen Tag das "Fluxkit" von 1965, ein Koffer voller Objekte von diversen Fluxus-Künstlern, zur Verfügung. Ostoya ließ die Objekte durch die Museumshallen tanzen und filmte ihre Perfomance-Einlage, um schließlich einen geschlossenen Koffer zurückzulassen. Die 1978 in Krakau geborene Polin lebt seit 2008 in New York, wo sie am Independent Study Program am Whitney Museum teilnahm. Sie hat an der Frankfurter Städelschule und an der Parsons School of Art and Design in Paris studiert. "New York scheint ein guter Platz für jemanden wie mich zu sein – eine Einzelperson ohne Zuhause und nirgendwo zu Hause", meint Ostoya.

Seit einem Jahr arbeitet sie an ihrer neuen Serie "Disclosures" (Offenbarungen), in der sie sich wieder mit dem kreativen Schaffensprozess und mit der Beziehung zwischen Kunst und Leben auseinandersetzt. Ostoya will für ihre nächste Ausstellung bei Bortolami im Frühjahr 2013 ihre erste Mentorin, die Bildhauerin Barbara Leoniak, zu einer Zusammenarbeit einladen und malt an großformatigen Bildern. "Die Möglichkeit der Malerei hochzuhalten und mit beinahe lächerlichem Ernst zu malen, scheint mir im Augenblick eine der radikalsten Handlungen zu sein", sagt die Künstlerin.

Steckbrief

Geboren: In der Nähe des größten mittelalterlichen Platzes in Europa, 80 Kilometer entfernt von einem Ort, an dem im Zweiten Weltkrieg viele verbrannt wurden, in dem Jahr, in dem die menschliche Lebenserwartung bei der Geburt 61 Jahre betrug.


Wohnort: Normalerweise in meinem Atelier, wo immer das gerade ist.


Ausbildung: Überwiegend professionell, gelegentlich sentimental.


Initialzündung: Ich erinnere mich nicht.


Höhepunkt: Noch am Leben zu sein?


Tiefpunkt: Generell im Leben? Soziale Ungerechtigkeit und Geistesgestörheit.


Helden: Keine Helden, nur Menschen und ein paar Heldinnen.


Credo: Widerstand.


Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: Hängt ab, von wem.


Warum Künstler, nicht Banker?: Ha!
http://www.bortolamigallery.com/artists/anna-ostoya/