Sebastian Hein - Starter

King Kong meets Tarantula

Das gab’s schon? Kein Problem für Sebastian Hein. Sein Trick ist die reuelose Kombination und Imitation von Altem und Bewährtem.
Die Kraft der Wiederholung:Nachwuchskünstler Sebastian Hein

Hier hat Sebastian Hein einem deutschen Traum eine Form verliehen: "Un bizzarro sogno tedesco", Detail, 2012, zusammen mit Matthias Böhler und Christian Orendt. Objekt aus Holz, Lack und Paraffin, 100 x 160 x 160 cm, aus Encyclothek, zusammen mit Matthias Böhler und Christian Orendt

Wir kennen sie alle: das Kraftpaket King Kong, die Riesenspinne Tarantula und glitschige Aliens aus dem Weltall.

Wer noch auf den Beweis gewartet hatte, dass solche von Literatur und Film in unseren kollektiven Ängsten verankerten Monster zutiefst hybride Geschöpfe sind, der wird bei Sebastian Hein fündig. "Unsch" heißt sein abstraktes Monstergeschöpf. Schwarz und massig hängt es wie ein Faultier unter der Decke und lässt einen erschaudern. Die Welt, meint Sebastian Hein, lasse sich nicht neu erfinden. Ist man die Bürde des schöpferischen Künstlertums erst einmal los, lässt sich, was da ist, frei und umso besser nachahmen, kombinieren, umbauen, umrahmen und umdeuten. Auch Sinn und Bedeutung beginnen dann zu driften und zu wuchern. Was Hein mittels eines Tapeziertischs samt leerem Vitrinenaufsatz unter dem Titel "modified utility table elements", kurz "M.U.T.E.", ebenso überzeugend gelingt wie in einer Erzählung vom Leben und Schaffen eines skurrilen japanischen Sammlers, dessen Aktivitäten 2012 in der Kunsthalle Nürnberg unter dem Titel "Encyclothek" ausgebreitet wurden.

Es ist kein Zufall, dass sich Sebastian Hein das Spiel aus Identität und Wiederholung mit endlos wuchernden Zeichenketten nicht allein, sondern gemeinsam mit zwei Kollegen ausgedacht hat. Er arbeitet gern zwanglos mit anderen zusammen, um das, was er macht, mittels der Ideen anderer anzureichern. Sich Regeln zu unterwerfen, um dann gegen sie zu verstoßen, ist Teil des produktiven Vergnügens, aus des­sen Mehrwert jede Menge aktualisierte Bedeutungen sprießen.

Schließlich hängt alles mit allem zusammen. Damit Sinn entsteht, reicht es aus, wenn die Dinge neu gerahmt und in einen anderen Zusammenhang gerückt werden. Womit nichts von dem, was Hein uns – stets in perfekter Ausführung – in Environments, Installationen, Objekten und Filmen vor Augen führt, nur das ist, was es zu sein scheint. Sogar die Wildnis ist am Ende eine Imitation, ein wilder Werbewestern oder ein rauchiger Werbespot, der, wie tatsächlich auf einem Plakat Heins zu sehen ist, ebenso gut aus zwei falschen Zebras bestehen kann wie aus einem falschen Mustang.

Steckbrief

Geboren: Passau, 1981.

Wohnort: Nürnberg.

Ausbildung: AdBK Nürnberg, Meisterschüler.

Initialzündung: Häufig und am besten in guten Gesprächen.

Höhepunkt: Nacht, Boot, ruhiges tiefes Wasser, stille Schwärze, Fischen, am liebsten mit ihr.

Tiefpunkt: Regelmäßig nach jedem größeren Projekt.

Helden: Amundsen Roald, Blank Urs, Cooper Dale, Dominik, Ernst Max, Frisch Max, Giraud Jean, Herzog Werner, Ingo, Junip, Koze DJ, Lawler Louise, Matthias, Norbert, Otomo, Philipp, Qot- ­SA, Rapala Lauri, Stefanie, Tschechow Anton, Underworld, Varley Lynn, Ware Chris, Xenakis Iannis, Yoda, Zissou Steve.

Credo: Das Spiel ist die höchste Form der Forschung.

Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: Fordere viel von dir selbst und erwarte wenig von anderen. So wird dir viel Ärger erspart.

Warum Künstler, nicht Banker? Letztlich ein Beruf wie jeder andere (Banker, Bäcker usw.). Ich glaube nicht so sehr an Talent! Es gibt nur Arbeit.

http://www.sebastianhein.de