Ákos Major - Starter

Spektakulär unspektakulär

Die Fotos des gebürtigen Ungarn Ákos Major strahlen eine meditative Ruhe aus. Seine Motive findet er überall auf der Welt, Schönheit entdeckt er auch im Versehrten, Verlogenen und Unvollkommenen.
Spektakulär unspektakulär

Den deutsche Sommer an der Nordsee fotografierte Ákos Major in der Serie "Leisure Project", 2012/2014

Der Himmel ist bewölkt, doch durch das Grau dringt ein diffuses Leuchten. Im Vordergrund kräuselt sich Wasser. Ein Angler steht am Ufer. Jungs sammeln Krabben. Bunte Tretboote warten auf besseres Wetter. Nichts, was Ákos Major fotografiert, ist spektakulär: die badenden Menschen nicht, die Arbeiter auf der Baustelle nicht und schon gar nicht das Wetter.

Und doch geht von den Fotografien des Ungarn eine eigentümliche Anziehungskraft aus, eine meditative Ruhe, ähnlich der, die uns ergreift, wenn wir am Strand sitzen und stundenlang auf das Meer starren. Das Banale wird plötzlich bedeutsam; das Unaufgeregte erscheint voller Sinn. Es sind Bilder, die zeitlich nicht einzuordnen sind. Die meisten könnten ebenso gut gestern oder vor 30 Jahren entstanden sein.

Seit einigen Jahren bereist Major, der zuvor als Grafikdesigner gearbeitet hat, die Welt, fotografiert in Ländern wie Tunesien, Slowenien oder Kambodscha auf der Suche nach einer eigenwilligen Art von Schönheit und Poesie: "Ich bin glücklich, wenn ich den Betrachter dazu bewegen kann, seine Vorstellungen von Ästhetik zu überdenken", sagt Major. "Klar, auch ich wähle manchmal überfotografierte Motive wie Skylines oder Sonnenuntergänge, aber vielleicht drehe ich meine Kamera in eine andere Richtung als die meisten von uns."

Schönheit findet der Fotograf auf einem grauen Busbahnhof in Abu Dhabi ebenso wie an einer Schnellstraße in Bangkok, am liebsten jedoch am Wasser – sei es am Strand von Sankt Peter-Ording, am Balaton oder am Canal Grande. Seine Aufnahmen macht Major ausschließlich mit analogen Kameras. "Durch das Arbeiten mit Filmmaterial habe ich gelernt, geduldig zu bleiben und mich auf meine Motive zu konzentrieren. Ich kann es mir gar nicht leisten, Tonnen von Material vollzuknipsen", erzählt er. Das Filmmaterial, aber auch die nachträgliche Bearbeitung sorgen für eine entrückt erscheinende, gelbstichige Farbigkeit, die den melancholischen und nostalgischen Charakter der Fotografien noch verstärkt.

"Nostalgie ist für mich nicht etwas, das ich mit der Vergangenheit verbinde", sagt der Künstler, "sondern mit der Gegenwart. Es gibt Augenblicke, da empfinde ich ein herzerwärmendes Gefühl, das mir sagt, wie schön unsere Welt ist – mit all ihren Narben, Lügen, Schmerzen und Momenten voller Glück. Und obwohl ich mir eher wie ein Beobachter vorkomme, weiß ich doch: Ich bin ein Teil davon."

Ákos Major

Geboren: 1974 in Gyöngyös, Ungarn.

Wohnorte: Budapest, Wien.

Ausbildung: Visuelle Kommunikation, Moholy-Nagy-Universität für Kunst und Design (MOME), Budapest.

Galerie: Tanja Wagner, Berlin.

Initialzündung: Wanderlust.

Höhepunkt: Ich liebe meine Arbeit.

Tiefpunkt: Kein nennenswerter.

Helden: Ich habe glücklicherweise ein paar Leute in meinem Leben getroffen, die ich als Helden betrachten kann. Mir bedeutet das viel, für andere ist es keine große Sache. In Bezug auf die Fotografie habe ich keine Helden, aber mir gefallen die Arbeiten vieler Künstler, von Joel Sternfeld bis Olaf Otto Becker.

Credo: Ich filtere Dinge in meinem 
Leben. Ich versuche, Qualität zu finden und Müll zu vermeiden.

Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: Verwende ein stabiles Stativ.

Warum Künstler? In chemischer Physik bin ich nicht so gut.

http://akosmajor.com/