Clara Brörmann - Starter

Swingende Geometrie

In der Serie "Starter" stellt art junge Künstler vor. Diesmal: Clara Brörmann. Die Berliner Malerin interpretiert Minimal Art und Konstruktivismus neu.
Swingende Geometrie:art stellt junge Künstler vor

Clara Brörmann: "Spiegelung - Spiegelndes 2", 2013, Öl auf Leinwand

Hinter jeder Struktur verbirgt sich ein anderes Koordinatennetz, hinter jeder Oberfläche eine andere Farbschicht, hinter jeder vibrierenden Linie eine andere seismografische Kontur. Clara Brörmanns geometrisch angelegten Ölgemälde verdichten sich in periodisch währenden, ausdauernden Malprozessen zu einem archäologischen Terrain an verwunschenen Kompositionen.

Und es kann passieren, dass ein beizeiten in ihrem Atelier gesichtetes Bild nach einer Weile kaum wiederzuerkennen ist, weil Brörmann ein Tarngitter über die subtil durchscheinenden Sedimente gelegt hat. Die Entscheidung, wann ein Malakt abgeschlossen ist, wird für die passionierte Strukturalistin zu einem Balanceakt zwischen Kalkül und Intuition. Das Risiko, ein möglicherweise zu lange bearbeitetes Bild zerstören zu müssen, nimmt sie dabei in Kauf. Mit Akribie gibt Brörmann durch Klebeband-Abdeckungen ihre kompositorischen Raster vor. Beim Feintuning erlaubt sie sich Ausreißer, zieht zusammen mit dem Klebeband an den Rändern Farbpartikel ab oder lässt brüchige Rillen stehen: "Ich glaube an abgesteckte Felder und dass man innerhalb dieser Grenzen sehr viel Bewegung und Energie erzeugen lassen kann."

Bestach sie in den vergangenen Jahren durch ihre preziosenhaft kleineren Bilder, so übersetzt sie nun ihre herrlich subjektiven Neuinterpretationen von Minimal und Op Art, Konstruktivismus und Konkreter Kunst auch auf größere Leinwände von über einem Meter. Brörmann ist zur Zeit Stipendiatin des Berliner Goldrausch-Projekts zur Professionialisierung von Künstlerinnen. Sie erläutert ihre malerische Position: "Was ich angesichts derzeitiger Tendenzen in der Kunst für mich als wichtig empfinde, ist die haptische und körperliche Seite der Malerei. Also die Auseinandersetzung mit dem Material, der Farbe, der Leinwand und deren Härte, Weichheit, Grobheit, Feinheit." Keine Frage, ihre bis in die Tiefenschichten von Mustern durchsetzten Bilder swingen förmlich vor unseren Augen. Und so wundert man sich auch nicht, dass die gebürtige Duisburgerin gelegentlich als Chansonsängerin im Cocktailkleid in Erscheinung tritt.

Steckbrief Clara Brörmann<br><br>

Geboren: Duisburg, 1982.


Wohnort: Berlin.


Ausbildung: Rundum-Ausbildung.


Galerie: Schwarz Contemporary, Berlin.


Initialzündung: Liebeskummer und die Trennung von alten Bildern.


Höhepunkt: Musik im Atelier in voller Lautstärke.


Tiefpunkt: Zweifel.


Helden: Mein großer Bruder zum Beispiel.


Credo: Umdenken und weitermachen.


Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: Mach dir nicht so einen Kopf!


Warum Künstler, nicht Banker?: Dies ist zum augenblicklichen Zeitpunkt schon fast eine moralische Frage.
http://www.clarabroermann.de/

Mehr zum Thema im Internet