Mahlergruppe - Starter

Reiter aus der Endzeit

Zwei Studenten aus der Klasse von Markus Oehlen experimentieren mit Techniken und Gattungen und mischen Düsternis und Heiterkeit

Eigentlich beginnt die Geschichte der Mahlergruppe mit einem Misserfolg.

2008 schließen sich zwei Studenten aus der Klasse von Markus Oehlen an der Kunstakademie in München zusammen, um gemeinsam Bilder zu produzieren. Es entstehen drei Aquarelle, die sie in einem gefundenen Glasrahmen bei der Auktion des Akademievereins einreichen wollen. Doch der Rahmen zerbricht beim Transport. Ein Desaster für die beiden, denn ungerahmte Papierarbeiten werden nicht angenommen. Aus purer Not kopieren sie die Aquarelle noch einmal in Öl auf Leinwand. Mit viel Terpentin, damit die Farbe schön dünnflüssig bleibt. Auf der freibleibenden Fläche hinterlassen sie ihre Handabdrücke, Reifenspuren und Kerzenruß.

Aber der ganze Aufwand lohnt sich nicht, denn das fertige Gemälde wird vom Akademieverein abgelehnt. Trotzdem malen die beiden weiter an ihrer Serie, die sie boshaft "München Verbot" nennen – 14 Bilder in ausgewaschenen Farben, wie nach einem Regenguss. "Wir haben die Bilder mit Gasmasken gemalt, um uns vor den Terpentindämpfen zu schützen. Später sind wir dann darauf gekommen, dass man mit wasserlöslichen Acrylfarben eine ähnliche Wirkung erzielt", berichten sie schmunzelnd.
Der Name "Mahlergruppe" ist das Ergebnis eines Wortspiels aus dem Subjekt "Maler" in Verbindung mit dem Verb "mahlen". Und auch sonst experimentieren die beiden, die hinter ihrer Gruppenbezeichnung nicht namentlich als künstlerische Individuen identifizierbar sein wollen, gern, etwa mit unterschiedlichen Techniken und Gattungen. So entstehen ephemere Pappskulpturen, Objekte aus Aluminiumguss, raumgreifende Installationen und utopische Entwürfe.

Ihre Themen und Materialien finden sie in der Alltagskultur. Populäre Comicfiguren und Stars aus der Unterhaltungsindustrie bevölkern ihre Arbeiten. Auf den ersten Blick wirken sie heiter in den düsteren Szenarien. Dabei sind sie vielmehr die apokalyptischen Reiter aus der Endzeit.

Steckbrief<br><br>

Gegründet: 2008, München


Wohnort: Berlin/München


Ausbildung: Akademie der Bildenden Künste München, Professor Markus Oehlen


Galerie: Galerie Christine Mayer


Initialzündung: Der goldene Katalog von Jirˇí Dokoupil


Helden: Andy Warhol ist so weit gegangen, dass jeder mal im Max’s Kansas City was essen konnte – and he picked up the bill.


Höhepunkt: Als Geschehnisse, die wir gemalt hatten, kurz darauf Wirklichkeit wurden.


TIEFPUNKT: Ein Anschlag auf unsere Arbeiten, bei dem ein beträchtlicher Teil zerstört wurde.


Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: Einen guten Rat nehmen wir immer an.

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