Anouk Lamm Anouk - Starter

Zartes Lämmlein

Exzentrik wird völlig unterbewertet – zu Unrecht, wie das ätherisch schöne Werk der jungen Wiener Künstlerin mit dem ungewöhnlichen Namen Anouk Lamm Anouk zeigt.
Junge Kunst:das ätherisch schöne Werk von Anouk Lamm Anouk

Anouk Lamm Anouk: "Summer Wool / Winter Wool", 2014, Tinte auf Papier, DIN A3

Es war das große Fragezeichen der Ausstellung von Szene-Guru-Künstler Franz Graf im Wiener 21er Haus im Mai dieses Jahres: Auf einem Gerüst im Raum hing eine schwarze Lamm-Silhouette aus weichem, abgestepptem Material, groß, träge, geheimnisvoll.

Anouk Lamm Anouk sollte die Künstlerin heißen. Das konnte doch nicht echt sein! Doch, konnte es. Über Facebook erfolgte die Zerstreuung der öffentlich verkündeten Zweifel: der Scan eines österreichischen Personalausweises, auf dem allerdings nur zwei Vornamen verzeichnet waren, nicht neun, wie auf der Homepage der 1992 geborenen Wienerin: Anouk Lamm Aamor Raphaela Maria Elisabeth Michaela Victoria Tiziana. Habe sie sich selbst gegeben, auch den Nachnamen, erklärt ein blasses, ätherisches Wesen einige Monate später in einer Atelierwohnung. Aamor etwa hieß ihr erster, verstorbener Hund.

Tiere, das merkt man, sind omnipräsent im Leben dieser exzentrischen Studentin (zwei Katzen, ein Toy-Pudel) und in ihrer zurückhaltenden, ephemeren Kunst. Die (alp-)traumhaften schwarz-weißen Tuschezeichnungen sind bevölkert von Lämmern, Ferkeln, Pferdchen. Die Tiere interessieren sie als Symbole, der Unschuld zum Beispiel, sagt Anouk. "Ich versuche eine märchenhafte Welt zu schaffen, nichts für Kultursnobs." Außer Zeichnungen macht die Künstlerin, die sich schon mit 15 Jahren an der Wiener Universität beworben hat, dann aber erst an die UdK in Berlin ging, auch Objekte. Ein riesiges schwarzes Lamm aus Samt soll sich etwa in einem Netz in ihrem Atelier verfangen. Gemalt wird nicht im Moment, denn "das macht mich traurig".

Anouk Lamm Anouk

Geboren: Mittwoch, 14.10.1992, 18 Uhr 12.

Wohnort: Wien.

Ausbildung: Nahezu ein Dutzend verschiedene Schulen, größtenteils alterna-tive Konzepte. Universität der Künste 
Berlin, Akademie der bildenden Künste Wien, bei Gunter Damisch, Florian Reither und Judith Huemer.

Initialzündung: Meine Geburt.

Höhepunkt: Alles außer Berlin, oder; 
als ich in den späten Neunzigern am 
Ostersonntag einen Feldhasen mit 
magenta-weiß kariertem Rucksack sah. Oder; das Kleinkindalter.

Tiefpunkt: Berlin.

Helden: Emphatische Wesen mit Zivilcourage.

Credo: Bruises are the new black.

Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: Auf den warte ich noch.

Warum Kunst? Das war nie eine Frage, es war immer ein Fakt.
http://www.anouklammanouk.com