Ronny Lischinski - Starter

Sanfter Flug durchs Kunst-All

Raumschiffe, UFOs, Planeten – in seinen Arbeiten wohnt ein Friede, der sich um aktuelle Themen nicht schert. Birgit Sonna über den jungen Berliner Künstler Ronny Lischinski, dessen Arbeiten an Requisiten für einen Science-Fiction-Film erinnern.
Planeten und Raumschiffe:Ronny Lischinski, Künstler und Kosmonaut

Ronny Lischinski: "Passage Error", 2013, eine Installation aus MDF, Glas, Lack, Schreibtischlampen und Leuchtmittel, Maße: 140x160x120 cm

Manche Künstler haben ein Konzept, andere einen Kosmos. Ronny Lischinski gehört zu der zweiten Kategorie. Es gibt keinen Masterplan, der sein Werk einer smarten Begrifflichkeit oder zeitgemäßen
Weltrezeption zuordnen könnte. Vielmehr bewegt man sich bei ihm durch eine Atmosphäre, die sich in etwa so anfühlt wie ein freier Flug durchs All.

Egal, ob Malerei, Zeichnung, Fotografie, Skulptur oder Installation – alle Arbeiten verströmen eine ruhige, gedämpfte Stimmung. Immer wieder tauchen leere Rundformen auf, aus denen es sanft herausglimmt. So mäandern auf kleinen, dunklen Bildern und Kohlezeichnungen leere Wolken und Sprechblasen umher, fern von Pathos oder Geschwätzigkeit, aber von einer Dichte, die den Blick des Betrachters magisch ansaugt.

In einer anderen Arbeit beugen sich Schreibtischleuchten über einen Tisch wie ein vielarmiges Insekt, und in einer Vitrine fügen sich runde Lampenschirme zu einer Mischung aus Diorama und Planetarium zusammen. All das fühlt sich archaisch an, futuristisch, spirituell und surreal – was möglicherweise
daran liegt, dass Lischinski auch mal auf einem mittelalterlichen Friedhof in der Stadt Brandenburg gejobbt hat.

Die rudimentären, organischen Formen von Fundstücken, die sich wie eine Art ästhetisches Grundmuster durch seine Arbeit ziehen, verlieren hier jedoch ihren Schrecken: Lischinskis Bilder vermitteln Positives, Wärme und Bergung. Es wohnt ein Frieden darin, der sich um aktuelle Themen nicht schert. Was ist Pop? Wen interessieren digitale Technologien und kluge Querverweise auf die
jüngere Kunstgeschichte? An Lischinski ziehen all diese Dinge, die den Kunstbetrieb auf Trab halten, Lichtjahre entfernt vorbei. Klar: Wer braucht schon ein Konzept, wenn er einen ganzen Kosmos in sich trägt?

Steckbrief

Geboren: Lübz, 1976.

Wohnort: Berlin.

Ausbildung: HBK Braunschweig

Initialzündung: Tauchen mit Chören.

Höhepunkt: Aufstieg zum Samstagnachmittag.

Tiefpunkt: Ohne Früchtchen im Longdrink mit Eis.

Helden: Inseln für die Trunkenheit von Andersgläubigen.

Credo: Flussmündiges Reisen.

Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: Ein Ufer muss kein Hafen sein.

Warum Künstler, nicht Banker?: Moraste, Wanderdünen, Vergesslichkeit.
http://www.ronnylischinski.blogspot.com