Luise Schröder - Starter

Ikonografischer Härtetest

art stellt in der Serie "Starter" junge Künstler vor. Diesmal: Luise Schröder. Die in Leipzig lebende Medienkünstlerin behandelt ihre Fotos mit Feuer, Sand und Wasser und geht der Frage nach, wie mit Bildern Geschichte gemacht wird.
Junge Kunst:art stellt junge Künstler vor

Luise Schröder: "Arbeit am Mythos", 2011, 7 Archivprints auf Hahnemühle Photo Rag, 70 cm x 100 cm, gerahmt

Fotografie verdeckt die Geschichte. Sie nimmt sich von der Zeit ein paar Augenblicke, den Rest macht sie unsichtbar.

Was nicht auf einem historischen Foto zu sehen ist, daran erinnert sich das kollektive Gedächtnis oft nicht mehr, und es ist für immer vergessen – hinter ein Foto führt kein Weg mehr zurück. Was also, wenn diese Gedächtnisstütze einmal wegbricht? Seit gut sechs Jahren ist das eine der wesentlichen Fragen im Werk der in Leipzig lebenden Foto- und Medienkünstlerin Luise Schröder. Seit ihrem Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst beschäftigt sie sich mit den medialen Bauplänen von Geschichte – mit den Bildern und Dokumenten, aus denen wir Vergangenes rekonstruieren. Mal fokussiert die 30-Jährige dafür bedeutende historische Momente, mal den Bildkörper einer ganzen Stadt.

Eindrucksvoll zeigt dies ihre Fotoinstallation "Arbeit am Mythos", mit der Luise Schröder den Nachwuchswettbewerb "Gute Aussichten 2011/2012" gewann. Es ist eine Arbeit über die Geschichte von Dresden – über Trümmerberge und Bombennächte, Fluten und Verschüttungen. "An Dresden", so Schröder, "lässt sich gut aufzeigen, wie aus Bildern Geschichte gemacht wird. Und Dresden steht dabei nicht nur für eine einzige Stadt; es repräsentiert für mich einen gesamtdeutschen Mythos." Einen Mythos über Täter und Opfer, Teilung und Vereinigung.

Diese Bildgeschichte hat Luise Schröder einem ikonografischen Härtetest unterzogen. Sie hat historische Fotos der Stadt zusammengesucht und ihnen Gewalt angedeihen lassen: Zunächst hat sie sie mit Feuer behandelt, dann unter Sand und Wasser verschüttet – ein symbolisches Re-Enactment der Stadtgeschichte. Herausgekommen sind sieben Bildgewebe aus Narben und Rissen: Fotocollagen – abgewetzt und doch voller Anmut, schadhaft und doch irgendwie schön. Nur die historische Wahrheit, die hat die gebürtige Potsdamerin auch mit Gewalt nicht freilegen können. Hinter ein Foto führt eben kein Weg zurück.

Steckbrief Luise Schröder<br><br>

Geboren: Potsdam, 1982.


Wohnort: Leipzig.


Ausbildung: Künstlerische Fotografie und Medienkunst an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig.


Initialzündung: Ich habe als Kind versehentlich einen Fotoapparat verschluckt, da bleiben nicht viele Möglichkeiten.


Höhepunkt: Geistesblitze und andere Freuden des Lebens.


Tiefpunkt: Innere Unruhe.


Helden: Gabi Teichert.


Credo: Die Revolution ist keine Antwort, sondern eine Frage.


Ein Rat, der ihnen geholfen hätte: Auf eine Welle folgt die nächste.


Warum Künstler, nicht Banker?: Warum nicht Eiskunstläuferin?


http://luiseschroeder.org/