Michael Dean - Starter

Bitte anfassen

Sie legen überraschende Auftritte bei internationalen Ausstellungen hin, erobern den öffentlichen Raum, bringen es zu Klickrekorden im Internet oder träumen noch vom ganz großen Durchbruch. Die besten Nachwuchs­künstler – in der Reihe "Starter": Der britische Künstler Michael Dean stellt Beton und Sprache in den Raum und möchte, dass seine Skulpturen von den Besuchern berührt werden. Noch bis Anfang November zeigt die Berliner Galerie Supportico Lopez neue Arbeiten des Künstlers.
Bitte anfassen:art präsentiert junge Künstler

Michael Dean: "Yes No" (Arbeitstitel), 2012, Digitaler C-Print, 74 x 100 cm

Beton ist ein unscheinbares Material, dessen harte Oberfläche sich aber durch Behandlung verändern lässt. Bei Michael Deans Skulpturen erinnert sie hier an schrundige Elefantenhaut, dort an die schlüpfrige Glätte eines Wals oder an polierten Granit.

In seiner jüngsten Schau im Henry Moore Institute im nordenglischen Leeds lehnte er drei gewaltige, vor Ort gegossene Betonplatten an die Wände. Ihre Abmessungen setzte er in ein direktes Verhältnis zu den sie umgebenden Räumen. Sie kopierten, vergrößerten oder reduzierten die Architektur. Eine von ihnen mit dem Titel "Home (working title)" blockierte teilweise den Durchgang zwischen zwei Galerieräumen, der Zwischenraum entsprach genau dem gesetzlich vorgeschriebenen Minimum für eine Tür.

Der Künstler möchte, dass wir seine Arbeiten "zunächst mit den Augen berühren und uns dann erlauben, sie auch mit der Hand anzufassen". In Leeds zwang er den Besucher gar, es zu tun: Er ersetzte die beiden Klinken der Galerietür durch unterarmgroße Betongebilde, denen er die Titel "Yes" (Ja) und "No" (Nein) gab. Man kam nicht umhin, diese grauen Betonklinken anzufassen, und durch die ständige Berührung veränderte sich mit der Zeit ihre Oberfläche, nahm eine Art Patina an.

Schreiben ist ein notwendiger Bestandteil von Deans Kunstpraxis. Er beginnt die Arbeit an seinen Plastiken mit einzelnen Worten. In Leeds waren es "Education" (Bildung), "Health" (Gesundheit) und "Home" (Heimat), die auf Regierungsministerien anspielten, dazu der Titel der Schau, "Government" (Regierung). Seinen Skulpturen stellt er begleitend eigene Texte – meist Dialogfetzen – zur Seite, die er drucken und als Taschenbuch binden lässt. Der Besucher soll aus ihnen Seiten herausreißen, um sie mitnehmen und in Ruhe lesen zu können. Seine Arbeitsnotizen, aus denen die Texte entstanden, wurden in Leeds von auf dem Boden sitzenden Wärtern vorgelesen. Das gesprochene Wort in den Raum zu stellen ist für ihn ebenso Skulptur wie ein von ihm geschaffenes Objekt.

Steckbrief Michael Dean

Geboren: Newcastle Upon Tyne, England, 1977


Wohnort: London


Ausbildung: Goldsmiths College, London


Galerie: Herald St, London; Supportico Lopez, Berlin


Initialzündung: Ich bin etwa elf und weigere mich, den Untergang einer weiteren Sonne zu akzeptieren, ohne etwas zu unternehmen. Ich verlasse den Fernseher und gehe nach draußen mit der Absicht, den Himmel auswendig zu lernen.


Höhepunkt: Schreiben zu lernen


Tiefpunkt: Lesen zu lernen


Helden: Ich habe keine.


Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: Nicht entspannen.


Warum Künstler, nicht Banker?: Hahahahahaha.


http://www.heraldst.com/artists/dean/0612dean/dean.html

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