Britta Thie - Starter

Spiel mit der Pose

Britta Thie tritt in Modemagazinen, Weblogs und Videoportalen auf. Sie behandelt Körperthemen, will aber keine Frauenkunst machen
Mit Auftrieb:art stellt junge Künstler vor

Britta Thie: "The Island II", 2009, C-Print, 100 x 80 cm

Wer sich mit dem Werk der Berliner Künstlerin Britta Thie beschäftigt, muss über Orte, Medien und Formen zeitgenössischer Kunst nachdenken.

Denn Thie produziert bewegliche Bilder und schnell vergängliche Situationen, die dem Betrachter nicht vorrangig in Museen, Galerien, Katalogen oder Kunstmagazinen begegnen. Ihre Werke flottieren eher im Kontext anderer Öffentlichkeiten: in Modemagazinen, in Internet-Blogs, Online-Videoportalen oder dem sozialen Netzwerk Facebook. Manchmal umgibt Thie, die auch als professionelles Model arbeitet, zudem selbst die Aura eines Kunstwerks: Wenn sie mit einer ihrer sublimen Steckfrisuren auf einer abendlichen Veranstaltung auftaucht und alle Blicke auf sich zieht. Bei solchen Gelegenheiten wirkt sie extrem glamourös, wie ein eben gelandetes Wesen aus einer fernen Galaxie. So wird das Nachtleben zu einer einzigen, großen Performance.

Die Hauptrolle spielt Thie auch in ihrer bekanntesten Arbeit, dem 2009 produzierten Video "Shooting". Auf einem Split-Screen zeigt es die Künstlerin, wie sie sich wie bei einem Fotoshooting in atemberaubendem Tempo herumkommandiert und gleichzeitig immer neu in Pose wirft: "Mehr Intensität in den Blick! Mehr Energie ins Kinn!" Aus den Bildern spricht die Qual und die Lust am Spiel mit der Pose. Die Arbeit mit Sprache interessiere sie, besonders das, "was die Sprache einem so antut", sagt Thie. Sie behandele "Körperthemen", mache aber "keine Frauenkunst". Über 70 000 mal wurde der knapp anderthalbminütige Clip auf der Videoplattform Vimeo mittlerweile angeklickt; unzählige Blogs haben ihn auf ihren Seiten kommentiert und verlinkt. Der enorme Erfolg kam überraschend, Thie nennt es ihren "viralen Moment".

Wie durchsetzungsfähig diese Art mobiler Kunst in den eher statischen Strukturen des Marktes und des Kunstbetriebs ist, wird die Zukunft zeigen. Anfragen von Galeristen gibt es, doch derzeit beschäftigt sie vor allem das Diplom, mit dem sie dieses Jahr an der Berliner Universität der Künste ihr Studium beendet. Thie arbeitet eben multimedial: "Ich mache immer viel gleichzeitig und ruhe mich dabei im einen Medium vom anderen Medium aus."

Steckbrief

Geboren: Minden, 1985


Wohnort: Berlin


Ausbildung: Studium der Psychologie, Philosophie und Kommunikationswissenschaft; Kunstakademie Münster; Cooper Union, New York; Universität der Künste, Berlin


Galerie: kommt noch


Initialzündung: 1995 – die erste
Hi8-Kamera


Höhepunkt: 2010


Tiefpunkt: 2002


Helden: Fox Mulder und Dana Scully


Credo: "Save as draft" (als Entwurf speichern)


Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: "Bitte Geheimzahl eingeben und mit Grün bestätigen"


Warum Künstler, nicht Banker?: Dyskalkulie
http://brittathie.tv

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