Starter: Sebastian Burger

Unnachgiebig

Pop Art? Hyperrealismus? Airbrush-Technik? Durch eine ungewöhnliche Maltechnik erhalten die Bilder von Sebastian Burger eine vielschichtige Ästhetik. Der Leipziger Maler arbeitet bevorzugt mit hochpigmentierten Ölfarben auf Papier.
Unnachgiebig

Sebastian Burger: "Plan", 2016, 50 x 35 cm

Sebastian Burger mischt seine Farben nicht, sondern arbeitet in einer Lasurtechnik, bei der die Farben in mehreren Schritten wie hauchdünne Folien auf das Papier gebracht werden. Das Ergebnis sind kühle Bildapparate, oft in einer zurückhaltenden Farbpalette. Mit dem Hang zum kontrollierten Maler-Gestus geht bei Burger auch die Verneinung der Leinwand einher.

"Denn Leinwände", so Burger, "sind doppelt nachgiebig." Einerseits – anders als beim Papier – erlaubt die Leinwand eine im Grunde unendliche Möglichkeit, das Gemalte zu korrigieren. Andererseits ist da das Federnde des gespannten Stoffs. Das Malen ähnelt einem chirurgischen Eingriff: Wie bei einem Schnitt beginnt er mit einem Bildelement, von dem er sich den Bildraum aneignet.

Sein bevorzugtes Material sind "Old Holland"-Farben, die für ihren hohen Pigmentgehalt und ihre Viskosität berühmt sind. Der Maler wedelt sie mit einem trockenen Pinsel "wie Puder" aufs Papier – daher die trockene, clean-sterile Bildästhetik.

 

Das Leben ist eine Baustelle
Die Britin Hannah Perry dreht knallharte Videos, in denen sie sich mit dem Selbstdarstellungszwang in sozialen Medien auseinandersetzt, der in ihrer Generation äußerst weit verbreitet ist. Ausgangspunkt der aktuellsten großen Arbeit war ein einschneidendes biographisches Ereignis

Kunsthistorische Referenzen: Airbrush-Virtuosen wie der japanische Science-Fiction-Fetischist Hajime Sorayama, Konrad Klapheck oder die Pop-Psychedeliker im Kreis der Chicago Imagists. Burgers Bilder speisen sich aus Quellen wie den Filmen von Kenneth Anger oder Fassbinder, manchmal ist es aber auch nur eine Tür mit Graffiti-Tags, die er auf dem Weg in sein Atelier auf dem Spinnereigelände passiert.

Sebastian Burger

Geboren: Magdeburg, 1980.
Wohnort: Leipzig.
Ausbildung: Wien und Leipzig. Diplom und Meisterschüler bei Neo Rauch an der Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig.
Galerie: Galerie Tobias Naehring, Leipzig.
Initialzündung: Ich möchte sagen Langeweile; vermute aber etwas Chronisches.
Höhepunkt: 2016 war unglaublich ereignisreich.
Helden: http://www.youtube.com/watch?v=2nMs2_7qA2E
Credo: Ja.
Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: Das Leben als Künstler findet nicht unabhängig von ökonomischen Bedingungen statt.
Warum Künstler? Alle Alternativen waren leichtsinnig oder unrealistisch.

Starter
Die Serie »Starter« präsentiert die besten Nachwuchskünstler im Kurzporträt