Starter: Nicolas Nicolini

Kunststoffkunst

Spielzeug, Strandutensilien, Dekokitsch – Gegenstände aus Plastik findet Nicolas Nicolini eklig. Aber genau das motiviert ihn sie zu malen.
Kunststoffkunst

Nicolas Nicolini: Leerer Plastikpool am Straßenrand, Ohne Titel, 2015, 98 x 90 cm

"Plastik ist nicht schön, Plastikspielzeug, Plastikdeko haben etwas Ekliges", findet Nicolas Nicolini. "Darum eignet sich das Material so gut als Vorlage! Farbe, Oberfläche und Form wecken meine Lust zu malen."

Nicolini ist aus Marseille und kennt den Strandkitsch vieler Urlauber. Als erste Referenz fällt dem Betrachter Martin Parrs Serie "Life’s a Beach" ein. Nicolini sieht seine Arbeit auch unter sozialkritischen, manchmal humoristischen Vorzeichen. Er verzichtet auf die Abbildung von Menschen. Hauptakteure sind die Objekte, welche sich oft in Übergröße vor trostloser Landschaftskulisse wiederfinden. Dort wirken sie so verloren, wie vor dem Urlaub ausgesetzte Hunde.

Eine idyllisch-unheimliche Zeltromantik begegnet uns auf dem Gemälde 
"Modern Luxury". Der Titel wirkt ironisch, wenn man an "Back to the roots"-Urlaubstherapien für gestresste Manager denkt oder den neuen "Minimal Chic". Letzterer bedeutet, dass nach dem gängigen momentanen Mode- und Wertempfinden eine Inneneinrichtung als umso luxuriöser erscheint, je minimaler sie gehalten ist.

Freche Vorleger
Nichts war vor Anna Betbeze sicher: Erst bemalte sie Tische, Stühle und Betten – bis sie auf den Teppich kam. Und den bearbeitet sie mit außergewöhnlichen Methoden
Kunststoffkunst

Porträt Nicolas Nicolini, Foto: Ludmilla Cerveny

An den Reiz des glatten Plastiks erinnern Bildstellen, an denen der Bildträger vorbehandelt wurde, um ihn glatter zu machen. Hierauf kann der Künstler wässrig oder gleitend malen. An anderen Stellen malt er schwerer und dichter, was oft mit einem größeren Realismus einhergeht. Jedoch wird dieser Anschein sofort wieder gebrochen, da Konturen und Formen nie ganz gerade, sondern immer auch ein bisschen krumm, gedellt und plakativ dargestellt werden. Doch das Unperfekte macht nicht nur den Charme seiner Bildsprache, sondern auch der Bildwelt aus: Die Kinderspielzeuge, die Häuser und Zelte, die Behausungen zum Zurückziehen und sich Verstecken berühren den Betrachter durch ihre Einsamkeit oder ihr deplatziertes Dasein.

Nicolas Nicolini

Geboren: 1985, Marseille

Wohnort: Marseille, Brüssel

Ausbildung: Kunsthochschule Marseille

Initialzündung: Ein Abend im Berghain, mein erster Nintendo

Höhepunkt: Als Marcelo Bielsa den Olympique de Marseille verlassen hat.

Helden: Flüchtlinge.

Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: Die Hingabe zum Unbekannten

Credo: Werde solider!

Warum Künstler? Man hat mir vom Künstlersein abgeraten – ich wollte wissen, warum

Starter
Die Serie »Starter« präsentiert die besten Nachwuchskünstler im Kurzporträt