Starter: Anna Betbeze

Freche Vorleger

Nichts war vor Anna Betbeze sicher: Erst bemalte sie Tische, Stühle und Betten – bis sie auf den Teppich kam. Und den bearbeitet sie mit außergewöhnlichen Methoden
Freche Vorleger

Anna Betbeze, Untitled, 2016 Wool, acid dyes, ash, india ink 250 x 180 cm (98 3/8" x 70 7/8")

Die Liebe zu Teppichen erwachte während ihres Kunststudiums in Yale, wo sie heute unterrichtet. Ihr gefielen die widerspenstige Struktur und das Gewicht des Materials. "Es ist eine Oberfläche, die viele Möglichkeiten bietet und viele Transformationen aushält", sagt sie. Sieben Jahre sind ihre ersten Experimente mit Wollteppichen, vorzugsweise Flokatis, her, und sie ist dem Material treu geblieben.

Die 1980 im tiefen Süden der USA, in Alabama, geborene Betbeze bemalt Teppiche nicht nur, sondern sie reißt auch Löcher hinein, setzt Säuren oder Haarfärbemittel ein oder brennt mit heißen Kohlen Löcher in die Oberfläche. Mitunter vergräbt sie die Teppiche auch in der Erde, grillt sie über Feuer oder lässt sie in der Natur verwittern. Die Arbeit ist durchaus körperlich: Nicht selten kriecht Betbeze über ihre Objekte, an denen sie oft über Jahre arbeitet.

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Auch wenn man eine Nähe zum Abstrakten Expressionismus vermuten würde, fühlt sich die Künstlerin von minimalistischen bildhauerischen Werken wie den Filzarbeiten von Robert Morris beeinflusst. Auch die Tatsache, dass sie im Süden aufwuchs, habe sie geprägt: "Ich wuchs umgeben von Volkskunst wie den aus Stoffresten zusammengenähten Quilts auf und habe immer Textilien gesammelt." Die Präsenz ihrer struppigen Arbeiten ist enorm. Mit den grellen Farben und der Schmuddeligkeit haben sie etwas Aufsässiges. Sie stören die Ordnung in schneeweißen Ausstellungsräumen und auf wohlgeordneten Kunstmessen. "Mir gefällt, dass sie wild und ungezogen wirken", sagt Betbeze, "und dass man sich fragt: Was machen diese Dinger hier."

Anna Betbeze


Geboren: 1980 in Mobile, Alabama.

Wohnort: New York City

Ausbildung: Yale University

Galerie: Markus Lüttgen, Köln.

Initialzündung: Farbe!

Höhepunkt: Unterrichten.

Helden: Brion Gysin, Sonia Delaunay, Hélio Oiticica. Künstler, die ihren eigenen Weg gehen.

Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: Verlass dein Atelier häufiger, um die Natur und mehr Raum zu erfahren Kunst zu machen kann engstirnig machen. Man fängt an, sich selbst nachzuahmen. Es ist wichtig, auszusteigen und neue Erfahrungen zu suchen.

Credo: Alle Transaktionen und Beziehungen haben eine Bedeutung. Also sollte man mit Menschen arbeiten, mit denen man arbeiten will.

Warum Künstlerin? Aus Freude, neben vielen anderen Dingen.

Starter
Die Serie »Starter« präsentiert die besten Nachwuchskünstler im Kurzporträt