Starter: Lorella Paleni

Menschentier

Die Nähe von Mensch und Tier beschäftigt Lorella Paleni in der Darstellung ihrer Wesen. Wenn die italienische Malerin malt, unterzieht sie Figürliches und Abstraktes einem Radikaltest. So entstehen fiktive Begegnungen zwischen geisterartigen Geschöpfen.
Menschentier

Lorella Paleni: "Arise 2", Acrylic and Oil on board, 119x106 cm

Während ihres Studiums in New York hörte Lorella Paleni manchmal den Rat, sich von europäischen Vorbildern zu lösen. Lodernde Feuer oder symbolträchtige Tierkämpfe in freier Natur erinnerten einige wohl zu sehr an die abendländische Malereigeschichte der Niederlande oder Italiens. Paleni hat sich davon zum Glück nicht verunsichern lassen. Im Gegenteil, der Einfluss der Bilder, die sie während ihrer Kindheit in Venedig begeisterten, sind zu einer wertvollen Inspiration geworden.

Wenn Paleni malt, unterzieht sie Figürliches und Abstraktes einem Radikaltest. Doch wäre es zu kurz gegriffen, gar kitschig, das Besondere ihrer Malerei auf das Durchmischen dieses Kontrasts zu reduzieren. Es geht nicht um die Entscheidung, Figur und Abstraktion zu kombinieren, sondern jedem Bildelement genau das zu geben, was es ausmacht. Paleni hat ein sicheres Gefühl für das, was Form und Farbe an Platz, Licht und Bewegung benötigen.

Steht man vor ihren großformatigen Gemälden, entdeckt man geisterhafte Wesen, meistens sind es Tiergeister, die im Nebel des feuchten Farbauftrags erscheinen. Diese Wesen bilden Ruhepunkte im Bild, das Auge kann kurz innehalten, ein Gegenüber entdecken, Blickkontakt aufnehmen. "Wie fühlt man sich, wenn man nackt vor einem Tier steht? Und wie würde das Tier auf einen reagieren", fragt sie sich. Während man versucht, sich solche fiktiven Begegnungen vorzustellen, erklärt Paleni, worum es ihr geht: um die Reaktion des Tiers auf den Menschen und darum, wie der Mensch diese Reaktion deutet. Tatsächlich haben die affenartigen Tierwesen auf Bildern wie „Still“ (2016) menschliche Züge. Ihre Tierbilder sind immer als Selbstporträts gedacht. Menschen sind ja auch nur eine Art von Lebewesen auf diesem Planeten.

Lorella Paleni

Geboren: Casazza, Italien, 1986.
Wohnort: Berlin/New York.
Ausbildung: Accademia di Belle Arti di Venezia, Columbia University School of the Arts, New York.
Galerie: Magic Beans Gallery, Berlin; E. Tay Gallery, New York.
Initialzündung: Die Wunder, wenn man die Welt mit Kinderaugen betrachtet.
Höhepunkt: Die Leute, die man trifft, und die Gemeinsamkeiten.
Tiefpunkt: Die Unbeständigkeit.
Helden: Francis Bacon, Sarah Sze.
Credo: "Immer versucht. Immer gescheitert. Einerlei. Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." S. Beckett.
Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: Benutze Sonnencreme.
Warum Künstlerin, nicht Banker? Ich bin schlecht in Mathe.

 

Starter
Die Serie »Starter« präsentiert die besten Nachwuchskünstler im Kurzporträt