Starter: Jonathan Pornin

Schöne Katastrophen

Der Karlsruher Künstler Jonathan Pornin malt Landschaftsbilder, deren menschenleere, befremdliche Szenerien so abstrahiert sind, dass sich etwas Unheilvolles in die Atmosphäre schleicht
Schöne Katastrophen

Jonathan Pornin: "Ohne Titel", 2016, 40 x 40 cm, Öl auf Leinwand

Wenn Jonathan Pornin Landschaften und Naturphänomene malt, so stellt sich auf Anhieb ein Wiedererkennungseffekt ein. Und doch ist es nicht mehr als Ölfarbe auf der Leinwand, die Flächen sind mitunter nüchtern konturiert wie bei der Farbfeldmalerei der fünfziger Jahre. Der Künstler bekennt es ganz offen: Die Landschaft ist ihm nur ein Vorwand, weil ihn die reine Abstraktion selbst nicht reizt.

Schöne Katastrophen

Porträt von Jonathan Pornin

Pornin befreit die Natur von jeder Gefühlsduselei. Er will nicht ihrem Wesen auf den Grund gehen, nicht das sinnliche Erleben ins Bild bringen und erst recht nicht den Mythos Natur mit neuen Mitteln fortschreiben. Wenn er Seestücke, den Wetterhimmel oder Panoramen malt, verschreibt er sich allein der Malerei, dem Ringen um Form und Farbe.

Es ist ein Spiel mit dem Vertrauten, das der bildnerischen Komposition untergeordnet wird. Immer wieder verselbstständigt sich die Malerei, plötzlich taucht am Himmel eine dreieckige Form auf. Regen verdichtet sich zu einem grafischstrengen Linienbündel. Dann wieder schlängelt sich der Straßenverlauf ins Surreale hinein. Es entstehen imaginäre, befremdliche Welten ohne Menschen und Lebenszeichen – ein Zustand zwischen "Idylle und Dystopie", wie Pornin selbst die Atmosphäre seiner Gemälde nennt, oder "schöne Katastrophen". Diese Malerei entsteht in einem zeitintensiven Arbeitsprozess, in dem Pornin zahlreiche Farbschichten übereinanderlegt – und es ist genau diese Ausdauer und Ruhe, die aus seinen Bildern spricht.

 

 

Kugelblitz und Parabolschüssel
Angelika J. Trojnarski beschäftigt sich mit Physik und Astronomie. Der Reiz besteht darin, dass sie schnöden Forschungsergebnissen in ihren Gemälden und Objekten Poesie einhaucht

Jenseits der oft aufgeregten Spektakel des Kunstbetriebs wachsen diese eigenwilligen Landschaften ganz leise und besonnen. Nichts drängt sich auf seinen Bildern in den Vordergrund. Das zarte, poetische Farbenspiel wirkt still und ist doch stets mit einem dezenten Stachel versehen, der an das Abgründige in allem Sein erinnert.

Jonathan Pornin

Geboren: 1979 in München.

Wohnort: Karlsruhe.

Ausbildung: École des Beaux-Arts in Saint-Étienne und Staatliche Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe.

Galerie: Gerne.

Webseite: https://jonathanpornin.com/

Initialzündung: Ausstellungsbesuche in der Jugend (»Francis Bacon: Retrospektive« im Haus der Kunst in München, die Maestà von Cimabue im Louvre, C. D. Friedrich in der Hamburger Kunsthalle) und der Film Le Mystère Picasso von Clouzot.  

Höhepunkt: Das Gefühl für Zeit zu verlieren.

Helden: Meine Großeltern.

Credo: Memento mori.

Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: Öfter mal in den Spiegel schauen.

Warum Kunst? Jeder braucht einen Broterwerb. Ich habe mir den ausgesucht, welcher für mich am meisten Sinn ergibt.

Starter
Die Serie »Starter« präsentiert die besten Nachwuchskünstler im Kurzporträt