Starter: Angelika J. Trojnarski

Kugelblitz und Parabolschüssel

Angelika J. Trojnarski beschäftigt sich mit Physik und Astronomie. Der Reiz besteht darin, dass sie schnöden Forschungsergebnissen in ihren Gemälden und Objekten Poesie einhaucht
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Angelika J. Trojnarski: "Dunkler Stern"

Es hätte auch sein können, dass Angelika J. Trojnarski Wissenschaftlerin wird, Physikerin oder Astronomin. Sie interessiert sich für Relativitätstheorie und Schwarze Löcher, für Erdmagnetismus und Elektrizität. Trojnarski ist überzeugt, dass Wissenschaftler und Künstler dieselbe Frage antreibt: was die Welt im Innersten zusammenhält. Letztlich hat sie sich für die Kunst entschieden, aber während ihre Kollegen in Kunstkatalogen blättern, liest sie zur Recherche wissenschaftliche Fachbücher und verarbeitet sie künstlerisch - ob es um Vakuum geht, Feuerwolken oder die Kraft, die uns Menschen auf der Erde hält.

"Observare“, "Dunkler Stern“ oder "Die Schwere des Seins“ nennen sich die Titel der Gemälde, auf denen sich vage Kugelblitze oder Lichtschweife assoziieren lassen oder man Grafen, Koordinatensysteme oder Strahlen ausmachen kann, die auf die Erde herniedergehen. Die Künstlerin nutzt die Wissenschaft, um surreal anmutende Bildwelten entstehen zu lassen, aber ihre Malerei verselbstständigt sich, Farbschichten und heterogene Bildelemente werden hochkomplex verzahnt, sodass sich der Raum auflöst und die Dimensionen gesprengt zu werden scheinen.

Angelika J. Trojnarski, die zunächst bei Jörg Immendorff studiert hat, ist im Herzen zwar Malerin, ist aber überzeugt, dass sie manche Fragestellung mit der Malerei allein nicht beantworten kann. Deshalb arbeitet sie inzwischen zweigleisig und ergänzt in ihren Ausstellungen Skulpturales, sei es eine Art Parabolschüssel aus Holzlatten oder eine morbide Ansammlung von Steinen, aus denen Vogelschnäbel aus Keramik zu wachsen scheinen. Denn auch mit Zugvögeln hat sie sich beschäftigt und der Frage, wie sie sich am Magnetfeld der Erde orientieren.

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Wie Voodoopuppen liegen sie da – bereit, Gewalt zu erdulden. Die fragilen Körper in Luca Lanzis Zeichnungen und Skulpturen wirken ausgeliefert und hilflos – um unseren Beschützerinstinkt zu wecken

So bringt Angelika J. Trojnarski in die schnöde, nüchterne Wissenschaft einen Hauch Poesie. Sie experimentiert auch selbst mit Chemikalien und bringt Bleiche und Wasserstoffperoxyd auf das Papier, wodurch eigenwillige, wolkige Farbstrukturen entstehen. Manche Motive wirken, als seien sie durchs Mikroskop ins Visier genommen worden – aber letztlich ist Angelika J. Trojnarski dann eben doch Künstlerin und nicht Wissenschaftlerin und appelliert nicht an die Ratio, sondern durch die Kraft der Farben und einer starken, vielschichtigen Malerei ganz unmittelbar an die Emotionen der Betrachter. 

Angelika J. Trojnarski

Geboren: 1979 in Mrągowo / Polen

Wohnort: Düsseldorf

Ausbildung: Kunstakademie Düsseldorf bei Andreas Gursky, Herbert Brandl, Jörg Immendorff

Galerie: Tanja Wagner, Berlin

Webseite: trojnarski.com

Initialzündung: Gab es nie. Eher ein pulsierendes Hintergrundrauschen.

Höhepunkt:  Die Erkenntnis, dass die meisten Probleme unproblematisch sind.

Tiefpunkt: Schrödingers Katzenallergie.

Helden: Laika und Muschka, Gordon und Albert – sie sind die wahren Weltraumpioniere.

Credo: Nothing magical happens in your comfort zone.

Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: Relax.

Warum Kunst: Hier herrscht die Gleichberechtigung der Wochentage.

 

Starter
Die Serie »Starter« präsentiert die besten Nachwuchskünstler im Kurzporträt