Starter: Luca Lanzi

Gequälte Puppen

Wie Voodoopuppen liegen sie da – bereit, Gewalt zu erdulden. Die fragilen Körper in Luca Lanzis Zeichnungen und Skulpturen wirken ausgeliefert und wecken Assoziationen von Missbrauch und Misshandlung – um unseren Beschützerinstinkt zu wecken.
Gequälte Puppen

Luca Lanzi: "Bola d'Aria", 2012

Es kann einem mulmig werden bei den Arbeiten von Luca Lanzi. Der Italiener, der in Bologna und an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee studiert hat, arbeitet zweigleisig. Er macht Skulpturen und Zeichnungen, kreist dabei aber stets um ein Thema: das Kindsein. Er lässt im Unklaren, ob es Puppen sind, die er zeichnet oder aus Gips und Ton fertigt, oder Kinder.

An Voodoopuppen erinnern die Tonfiguren aus der Serie "Feticcio“ – bereit, Gewalt zu erdulden. Die fragilen Körper liegen ausgeliefert da und wecken Assoziationen von Missbrauch und Misshandlung. Luca Lanzi schürt bewusst unsere Emotionen. Er bedient sich des Kindchenschemas, um das Herz der Betrachter zu öffnen. Man ist diesen kleinen Wesen unmittelbar zugetan, berührt von ihren kurzen Ärmchen und Beinchen, den Näschen und Kulleraugen.

Vielschichtigkeit
Die Ölgemälde von Viola Bittl haben trotz sparsamer Komposition eine enorme Wirkung. Unscheinbar wirken die Bilder nur auf den ersten Blick. Wer sich auf die abstrakten Werke einlässt, dem öffnen sich bewegende Welten

Lanzi sensibilisiert für die Verletzlichkeit der Kleinen, um dann den Stachel umso grausamer zu setzen. Es scheint ihnen Gewalt angetan worden zu sein. Die Zeichnungen sind schlicht, sparsam und imitieren den ungelenken Gestus von Kindern. Es steckt Morbides, Bedrohliches in diesen zarten Blättern. Die Farbflächen sind gehaucht, diffus, flüchtig. Die Kunst von Luca Lanzi besitzt archaische Kraft und kommt einer Mahnung gleich. Man will die Kindwesen beschützen. So sensibilisiert er für die Rechte der Kleinsten – eine ungewöhnliche und wichtige Position in der zeitgenössischen Malerei.

Luca Lanzi

Geboren: 1977.

Wohnort: Bologna.

Ausbildung: Bildhauerei, Akademie  der Schönen Künste Bologna.

Galerie: Galerie Lorch + Seidel, Berlin, L'Ariete Arte Contemporanea, Bologna.

Initialzündung: Die Wertschätzung durch meinen Berliner Galeristen Hans Martin Lorch, einem netten Menschen.

Höhepunkt: Eine große Installation 2010 im Keramik-Museum in Faenza.

Tiefpunkt: Schwierig, auf dem Markt Poesie unterzubekommen.

Helden: Die antiken Griechen.

Credo: Mir treu bleiben.

Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: Glaube an dich.

Warum Kunst: Ich brauche es.

Starter
Die Serie »Starter« präsentiert die besten Nachwuchskünstler im Kurzporträt