Starter: Viola Bittl

Vielschichtigkeit

Die Ölgemälde von Viola Bittl haben trotz sparsamer Komposition eine enorme Wirkung. Unscheinbar wirken die Bilder nur auf den ersten Blick. Wer sich auf die abstrakten Werke einlässt, dem öffnen sich bewegende Welten-
Vielschichtigkeit

Viola Bittl: "Ohne Titel VII", 2016

Auf den ersten Blick unterschätzt man die Bilder von Viola Bittl. Es komme vor, dass Besucher daran vorbeigingen, erzählt die Künstlerin. Es ist ja auch nichts Besonderes drauf, denkt man – und liegt völlig falsch. Denn wer sich einlässt auf diese Werke, dem öffnen sich Welten. Es sind Bilder, die sich nur schwer beschreiben lassen; in der Regel bestehen sie aus zahlreichen Ölfarbschichten, die jedem Bild ein vibrierendes Eigenleben verleihen.

Manchmal blitzen diese Schichten durch Aussparungen hervor, manchmal durchdringen sie einander und bilden schillernde Schnittmengen. Dann wieder sind die unteren Farben allein durch ihre Pinselstrukturen sichtbar, als lauerten da viele potenzielle Motive. Es gibt kaum etwas, was man dingfest machen könnte in dieser Kunst, die den Blick auf magische Weise fesselt. Die Formen, mal eher tumb und rundlich, dann wieder spitz und eckig, die Bittl oft auf scheinbar monochrome Hintergründe setzt, erinnern fast nie an einen Gegenstand, sie sind einfach sie selbst. Reagieren aufeinander, bilden fragile Gleichgewichte und wirken bisweilen wie Wesen.

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Die enorme Präsenz dieser sparsamen Kompositionen lässt sich mit strategischem Vorgehen nicht erklären. Meistens arbeitet Bittl an mehreren Motiven gleichzeitig, denn Ölfarben erlauben nun mal kein schnelles Vorankommen. Manchmal beginnt sie ein Werk einfach deshalb, weil vom vorherigen noch Farbe übrig ist. Wo die Reise dann – oft nach Monaten – endet, weiß sie vorher nicht. Wofür sie ein ausgezeichnetes Gespür hat, ist der Moment, in dem ein Bild fertig ist. Nie hat man den Eindruck, es sei mehr drauf als nötig. Das Faszinierende an der Kunst von Viola Bittl ist, dass sie Bildräume schafft, in denen man sich – optisch und gedanklich – aufhalten möchte. Diese abstrakte Malerei lässt einen nicht kalt, sondern bewegt.

Viola Bittl

Geboren: 1980 Eichstätt.

Wohnort: Frankfurt am Main.

Ausbildung: AdBK München und Städelschule Frankfurt.

Initialzündung: Mit 21 Jahren zu erfahren, dass man Malerei studieren kann.

Höhepunkt: Gelungenes Bild.

Tiefpunkt: Scheinbar unlösbare Bildprobleme.

Helden: Christina Noble.

Credo: Positiv.

Ein Rat, der ihnen geholfen hätte: Man muss auch mal beratungsresistent sein.

Warum Künstlerin? Weil nur das geht.

Starter
Die Serie »Starter« präsentiert die besten Nachwuchskünstler im Kurzporträt