Starter: Johannes Rochhausen

Im Künstlerbiotop

Johannes Rochhausen hat über Jahre immer wieder das eigene Atelier gemalt. Seinen stillen Kompositionen sieht man eine tiefe und zeitlose Bewunderung für das Malhandwerk an.
Im Künstlerbiotop

Johannes Rochhausen: "Südseite", 2014

Wie findet ein Leipziger Malereiabsolvent des Jahres 2009 im Schlagschatten der "Neuen Leipziger Schule" seinen eigenen Weg? Johannes Rochhausen, Jahrgang 1981, hat mit seinen kontemplativen Interieurs eine Lösung abseits von schnelllebigen Hypes und Klischees gefunden. Über zehn Jahre hinweg hat er hauptsächlich menschenleere Ateliers gemalt, bevorzugt sein eigenes: ein Künstlerbiotop in der Leipziger Baumwollspinnerei, das spartanischer nicht sein könnte.

Anders als bei Kollegen, die elegant oder gar wunderkammerartig Requisiten am Arbeitsplatz arrangieren, gibt es hier kaum etwas Persönliches, das aufregender als eine benutzte Wasserflasche wäre. Die Utensilien der Malerei sind ihm Werkzeuge und Protagonisten zugleich. Ein Fenster, ob geöffnet oder von einem Vorhang verdeckt, wird zur Sensation; ein bereits fertiggestelltes Gemälde zum Handlungsträger.

Starter
Die Serie »Starter« präsentiert die besten Nachwuchskünstler im Kurzporträt

Man könnte diese Art (Selbst-)Beschränkung als wunderliche Nabelschau missverstehen. Doch in Wirklichkeit enthält sie das ganze Universum der Malerei, meist in ein rätselhaftes Sfumato gehüllt. Man merkt Rochhausens stillen Kompositionen eine tiefe und zeitlose Bewunderung für das Malhandwerk an. Insofern ist es nur logisch, dass der wortkarge Künstler wie ein Analyst von kreativer Einsamkeit operiert. Trotzdem ist Rochhausen kein Einsiedler: Hin und wieder schaut er auch bei Kollegen vorbei, in deren Ateliers detailreiche Kohlezeichnungen entstehen. Für seine zeitintensiven Gemälde eignet sich allerdings nur das eigene Gehäuse. Nur dort könne er Veränderungen selbst choreografieren und mit langem Atem auf die Leinwand bringen, erklärt Johannes Rochhausen, und dass er in letzter Zeit wieder begonnen habe, an menschlichen Figuren zu arbeiten. Man kann darauf gespannt sein.

Johannes Rochhausen

Geboren: 1981, Leipzig.

Wohnort: Leipzig.

Galerie: Leuenroth, Frankfurt/Main.

Ausbildung: Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig.

Initialzündung: Buntstifte.

Höhepunkt: Kleine Momente, in denen ich das Gefühl habe, dass etwas gelingen könnte.

Tiefpunkt: Zirka einmal täglich.

Helden: Einige, zum Beispiel die mit dem Anfangsbuchstaben C: Caravaggio, Chardin, Corot, Cézanne und so weiter.

Credo: Wenn du es richtig machen willst, kannst du es gleich bleiben lassen.

Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: Don’t cry over spilled milk.

Warum Kunst: Für die Synapsen!