Starter: Donna Huanca

Frauenakt aus Frauenhand

In ihren Arbeiten verbindet die Amerikanerin Donna Huanca Installation, Malerei und Performance: Von ihr bemalte Aktmodelle interagieren mit Skulpturen und Gemälden und werden selbst zu Kunst
Frauenakt aus Frauenhand

Donna Huanca: "Muscle Memory", 2015

Die nackte Haut ist Donna Huancas Arbeitsmaterial. Nahaufnahmen der menschlichen Haut finden sich überall in ihren Collagen wieder. Ihren Modellen zieht Huanca oft in Farbe getauchte Perlonstrumpfhosen an, die nach dem Trocknen auf der Haut aussehen wie rissige Wüstenlandschaften. Für sie sind unbekleidete Frauenkörper lebendige Leinwände.

Diese Art von Performance-Kunst kombiniert Huanca mit Installationen, Collagen, Objekten und Gemälden, bei Letzteren kommt Make-up als Farbe zum Einsatz. Die Modelle interagieren mit Huancas Arbeiten, hinterlassen Spuren, spielen mit der ansonsten statischen Kunst. Manche Modelle stehen als Kunstwerke auch für sich allein.

Gern benutzt Donna Huanca, die in Chicago geboren wurde und in New York lebt, Textilien, etwa Kleidungsstücke aus Secondhandläden. Die Erinnerungen, die imaginär an den Fundstücken haften, belebt sie durch die Performances ihrer Modelle wieder. Für ihre Ausstellung in der Londoner Zabludowicz Collection (bis 18. Dezember) ergänzt sie ihre Arbeiten mit Sound-Installationen. Die Klänge werden durch die Bewegungen der Modelle und Besucher beeinflusst. Huanca hofft, dass ihre Kunst durch die Erweiterung um die akustische Dimension den Leuten noch tiefer unter die Haut geht.

Auch wenn Huanca oft harmonische Erd- und Wasserfarbtöne verwendet, erinnert die Bemalung ihrer Frauen an die Kriegsbemalung von Naturvölkern. Zu verteidigen gibt es als junge Künstlerin vieles: zum Beispiel die eigene Weiblichkeit und das Recht, sich darzustellen und zu entblößen. Zu bekämpfen gibt es mindestens genauso viel, darunter Schönheitsideale, die Frauen auferlegt werden, den männlichen Blick auf den weiblichen Akt und die Tatsache, dass männliche Künstler traditionell die Nacktheit der Frau selbstverständlich zelebrieren.

In der Berliner Galerie Peres Projects inszenierte sie Gustave Courbets "Ursprung der Welt" als eine Erdlandschaft, aus der sich die Brüste wie Berge erheben und auf die man von hoch über den Wolken hinunterblickt. Mit solchen Werken gehört Huanca zu den ganz wenigen Künstlerinnen, die sich darum bemühen, die Macht über die weibliche Form zurückzuerobern.

Donna Huanca

Geboren: Chicago, 1980.

Wohnort: New York City.

Galerie: Peres Projects, Berlin.  

Ausbildung: University of Houston; Skowhegan School of Painting
and Sculpture, Maine; Städelschule, Staatliche Hochschule für Bildende Künste, Frankfurt.

Initialzündung: Halluzinationen.

Höhepunkt: Durch die Welt zu reisen, dabei Kunst zu machen und mit neuen Leuten zu arbeiten.

Tiefpunkt: Keine Haustiere zu haben.

Helden: Die Musikerin und Gender-Performance-Künstlerin Genesis Porridge, die mexikanische Konzeptkünstlerin Teresa Margolles und die amerikanische Science-Fiction-Autorin Octavia E. Butler.

Credo: Um eine Welt zu schaffen, die ich sehen möchte.

Starter
Die Serie »Starter« präsentiert die besten Nachwuchskünstler im Kurzporträt