Starter: Timo Klöppel

Weißes Strahlen

Wie ein UFO aus einer anderen Welt steht der leuchtende Kubus da. Und doch verbreitet er ein heimeliges Gefühl. Timo Klöppel baut aus weiß getönten Altbaufenstern Räume, aus denen man gar nicht mehr heraustreten will.
Weißes Strahlen

2013 bei der Berliner abc installierter Lichtraumwürfel: "Meer Licht", 2013, 370 x 370 x 370 cm.

Fenstermotive sind nichts Neues in der Kunst. In der Malerei der Romantik standen Menschen an Fenstern und sehnten sich hinaus in die Natur. Die Surrealisten benutzten Fensterkulissen, um Traum- und Bewusstseinswelten räumlich aufzubereiten. Timo Klöppels Fenster funktionieren anders. Die Scheiben seiner auf der Straße gefundenen Berliner Altbaufenster sind weiß getönt, man kann nicht hindurchblicken.

Sie schirmen ab, wie ein behagliches Versteck. Der Künstler baut mit ihnen Räume in Räume, man kann hineintreten und sich auf dem schwarzen Kieselboden niederlassen. Das Licht der angebrachten Leuchtstoffröhren wird durch die milchigen Fenster in ein diffuses, weißes Strahlen aufgefächert – ein einzigartiger Effekt: Steht man in Klöppels gläsernem Kokon, möchte man die Fenster gar nicht öffnen. Der Außenraum erscheint plötzlich unbetretbar und irreal, das Licht im Innenraum dafür umso angenehmer. Diese Erfahrung machte der Künstler selbst, als er seine komplette Wohnung mit den beleuchteten Fensterelementen verkleidete und sich eine Woche darin einschloss.

Der mit dem Scanner malt
Seine Kunst entsteht im Computer und in der Druckerei – doch am Anfang trägt der in Berlin lebende Maler immer noch per Hand Acrylfarbe auf: Henry Kleine malt direkt auf den Flachbettscanner

Seitdem baut er immer neue Varianten dieser Räume auf, mal als White Cube für seine weißen Skulpturen mit Zucker, mal als Teehaus auf einer Weide. In einer ganz anderen Serie überklebte er Fotos seiner Exfreundin mit bunten Christbaumkugelsplittern. ­Jedes Bild wurde schließlich einem Buchstaben zugeordnet, mit denen Klöppel auf einer Galeriewand den Trennungsbrief der Geliebten nachschrieb. Die collagierten Fotoarbeiten versinnbildlichen wie die Fensterräume sein künstlerisches Interesse: den Prozess des "Wieder-Ganz-Machens".

Geboren: Berlin, 1981

Wohnort: Berlin / Odenbruch

Initialzündung: Meine Geburt

Ausbildung: Ausbildung als Glockengießer und Metallformer, Studium an der Universität der Künste Berlin, Meisterschüler.

Galerie: Kwadrat

Höhepunkt: Geburt meiner Tochter.

Tiefpunkt: Geronnener Geist.

Helden: Die Polarforscher Fridtjof Nansen und Fredrik Johansen.

Credo: Es gibt nur das Dazwischen.

Ein Rat, der geholfen hätte: Wenn es vorbei ist, ist es vorbei.

Warum Künstler: Weil Kunst Potenzial hat.

Starter
Die Serie »Starter« präsentiert die besten Nachwuchskünstler im Kurzporträt