Starter: Kris Knight

Jäger und Gejagte

Kris Knight ist Romantiker und lässt sich vom Rokoko inspirieren. Seine Motive sind junge Männer, die kurz vor dem Erwachsensein stehen. Die Modewelt liebt seine unschuldigen Verführer.
Jäger und Gejagte

Kris Knight: "Pansy", 2015, Öl auf Leinwand, 50,8 x 40,6 cm

Die Wangen auf den pudrigen Gesichtern sind gerötet, die Nasen ebenfalls. Die Modelle in Kris Knights Porträts haben etwas Entrücktes, Mystisches, Erhabenes, das gleichzeitig zerbrechlich wirkt.

Gern malt Knight junge Männer, die in ihrer Sehnsucht nach Aufregung und Romantik kurz vor dem Erwachsensein stehen und bei denen man trotz der zur Schau getragenen Unschuld nicht weiß, ob es sich nun um Jäger oder Gejagte handelt. "Die Charaktere sind mit sexueller Spannung aufgeladen, sich ihrer selbst vollkommen bewusst, aber trotzdem hochgradig verhalten", sagt Knight.

Knight inspirierte schon die frühere Gucci-Chefdesignerin Frida Giannini zu Mode-Kollektionen

Vielleicht muss ein junger Maler weit entfernt von Trends und dem Kunstmarkt aufwachsen, um sich, wie der Kanadier, nicht von den trendigen Abstraktionen der Kollegen in Los Angeles und New York beeinflussen zu lassen. "Meine Farbpalette beginnt am Morgen wie der mit Buttercreme gefüllte Traum eines Bäckers, aber sieht gegen Ende des Tages ziemlich düster aus", sagt der 35-Jährige. "Ich sollte wohl erwähnen, dass ich der Sohn einer Bäckerin bin."

Knight liebt die Zeit des Rokoko, als die höfische Gesellschaft wie der heutige Geldadel im Luxus schwelgte und Verschwendungssucht und unmoralisches Amüsement salonfähig wurden. Dazu kramt er in eigenen Gefühlen und Erinnerungen. Am Ende stehen Porträts, deren Geschichten nur er selbst kennt.

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Damit hat Knight schon die frühere Gucci-Chefdesignerin Frida Giannini zu Mode-Kollektionen inspiriert, Christian Lacroix wählte eines seiner Bilder für eine Ausstellung im Musée Cognacq-Jay in Paris aus. Wie die Mode braucht und benutzt Knight die rohe Schönheit der Jugend.