Starter: Manuel Knapp

Die Welt als Wille und Wolle

Manuel Knapp schafft raffinierte Interieurs aus nichts als Schnüren. Das Auge lässt sich willig betrügen und kann nicht mehr zwischen Fläche und Raum unterscheiden.
Die Welt als Wille und Wolle

"moonlight district" von 2015, 82x62x40 cm

Stuhl ist Stuhl, Tisch bleibt Tisch. Bei Manuel Knapp geraten die Maßstäbe allerdings durcheinander. Seine Installation "chair, table, stairs" (2013) besteht unübersehbar aus Tisch und Stuhl, auch die Treppe an der Wand ist existent, dabei ist alles nur schnöde Illusion. Das möblierte Interieur besteht aus nichts als schlichten Schnüren – und einer gewaltigen Portion Fantasie.

Manuel Knapp, der an der Stuttgarter Kunstakademie bei Werner Pokorny und Rainer Ganahl Bildhauerei studiert hat, legte eines Tages die Kettensäge beiseite. Bei einem Auslandssemester in Tallinn entdeckte er sein perfektes Arbeitsmaterial: Schnur. Seither nutzt er nichts anderes als Baumwollfäden, die mal in kleinen Kisten, mal in großen Räumen verspannt werden. Das Ergebnis ist faszinierend. Mit den banalen Fäden wird enorme Raumwirkung erzeugt.

Bei einem Experiment nutzte Knapp ein altes Eisenstück im Schnee, den Rest einer Gartenbank. Die Sitzfläche hat er mit Faden ergänzt, aber obwohl die Schnüre am Boden verlaufen, lässt sich das Auge betrügen und sieht eine vollplastische Bank. Manuel Knapp treibt das Trompe-l’Œil aber noch auf die Spitze: Mit der Bewegung des Betrachters verändern sich die Objekte und wechseln zwischen Zwei- und Drei-dimensionalität, Fläche und perspektivischer Verjüngung.

So geht es immer wieder um die Wahrnehmung von Fläche und Raum, aber auch um die große philosophische Frage, was Realität, was Vision ist.

Manuel Knapp

Geboren: 1984.

Wohnort: Mühlacker.

Ausbildung: Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart.

Initialzündung: Entdeckung der Kraft und Präsenz eines Wollfadens im Raum.

Galerie: Von Braunbehrens, Stuttgart.

Webseite: www.manuel-knapp.de

Höhepunkt: Wenn die Spannung in eine Konstruktion übergegangen ist und von mir abfällt.

Tiefpunkt: Muss es auch geben, um die Höhen zu schätzen.

Helden: Meine Familie; meine Freundin, die zur Kunstkritikerin wurde; meine Freunde.

Credo: Wenn die Sache irre wird, werden die Irren zu Profis.

Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: 
Es kann auch richtig sein, den falschen Weg bis zum Ende zu gehen.

Warum Kunst? Kunst bietet mir die Möglichkeit, eine Idee in erlebbare Form zu bringen, um sie auf direktem Weg mit anderen zu teilen. 

 

Die versehrte Seele
Inspiriert sind die Werke von eigenen Erlebnissen und Begegnungen mit der deutschen Polizei. Mit seinen Bildern verschüchterter, nackter Menschen lässt uns Tesfaye Urgessa die Verletzlichkeit der menschlichen Seele spüren