Christiane Köhne - Starter

Elvis Presley und das Faultier

Auf den Bildern von Christiane Köhne begegnen sich Erdferkel, Strickmützen und Kohlemeiler, ohne sich um die Wirklichkeit zu scheren. Dabei kommt die Malerei zu sich selbst.
Elvis Presley und das Faultier

Christiane Köhne: "Truman, Elvis, Faultier", 2012, 90 x 120 cm

Kaltblütig oder niedlich? Bambi trägt jetzt Truman Capotes Kopf auf den Schultern. Was das Rehkitz und den Schriftsteller zusammenbringt? Wer weiß das schon. Bei den Bildern von Christiane Köhne beginnt man nach Zusammenhängen zu suchen, will erforschen, wie sich der Kohlemeiler auf den amerikanischen Schauspieler Will Ferrell auswirkt oder was das Faultier neben Elvis Presley zu sagen haben mag – und läuft doch ins Leere.

Christiane Köhne ist keine Geschichtenerzählerin. Die in Stuttgart lebende Künstlerin hat in Pforzheim Schmuckdesign studiert. Da an der Hochschule für Gestaltung viel Wert auf eine künstlerische Ausbildung gelegt wird, kam sie mit der Malerei in Kontakt.

Malerei ist bei ihr kein Mittel zum Zweck, ist nicht Vehikel, um Botschaften zu transportieren, Köhne platziert ihre Motive auf der Leinwand um ihrer selbst willen. Sie schnürt Heterogenes in ungewöhnlichen Kompositionen zusammen. Abstraktion und Figuration tauchen wie selbstverständlich nebeneinander auf. Köhne bringt Grobes und Feines, geometrische Formen und mit Feinmalerei kunstvoll ausformulierte Gegenstände in spannungsvolle Dialoge. Die einzelnen Elemente wollen sich aber nicht aufeinander beziehen, sondern sind reine malerische Fiktionen. Die Leinwand als Fundgrube für Rüsseltier und Kopfbedeckungen, Tapetenmuster und ausgekippte Buchstaben, die sich einer Pointe verweigern. Das eklektische Figurenrepertoire wurde aus dem Alltag in einen malerischen Kontext übertragen: Hier kopiert die Künstlerin Kinderfotos, dort meint man ein Erdferkel grunzen zu hören.

Das ist Malerei im Zeitalter des Subjektivismus, denn wenn neben einem Faultier Elvis Presley auftaucht, so nur, weil Christiane Köhne seine Musik mag. Ihr geht es um nichts weiter als das Sichtbare – aber das ist mehr als genug.

Christiane Köhne

Geboren: 6.3.1980, Böblingen.

Wohnort: Raum Stuttgart.

Ausbildung: Goldschmiedin; Diplom-Designerin (FH).

Initialzündung: Malereikurs im ersten Semester – das erste Mal auf Leinwand gemalt, seitdem ist die Malerei in meinem Leben. Zeichnen: Mappenkurs – dort erkannte ich, dass eine Zeichnung ihren Eigenwert hat, jenseits des herkömmlichen Schönheitsbegriffs, und für mich Freiheit bedeutet.

Galerie: Schacher – Raum für Kunst, Stuttgart.

Höhepunkt: Einige meiner Arbeiten wurden auf der diesjährigen Art Karlsruhe gezeigt.

Tiefpunkt: Kein Tiefpunkt.

Helden: Jean-Michel Basquiat, Gottfried Helnwein.

Credo: Eine Sache, die es wert ist, getan zu werden, ist es auch wert, gut getan zu werden.

Ein Rat, der ihnen geholfen hätte: Studiere Kunst!

Warum Künstlerin? Ich kann mit meinen Händen schöne Dinge erschaffen und meinem inneren kreativen Drang nachgehen. Kunst macht glücklich, und ohne Kunst kann ich nicht leben.

http://www.christianekoehne.com